Berlin 27022017

Fotos: Marc Straumann

Fotos: Marc Straumann

Berlin 27022017

Public Art

Beat Brogle ist bekannt für Arbeiten in unterschiedlichen Medien wie Rauminstallation, Film, interaktive Installation und Webprojekte. Einen Schwerpunkt seiner schöpferischen Arbeit bildet das Zeichnen. Seit 1995 zeichnet Beat Brogle auf grossen Papieren und macht in feinsten Liniennetzen Verwandlungen sichtbar. Die Arbeit an einer Zeichnung kann bis zu einem Jahr dauern. Die filigranen Gebilde entstehen ohne technische Hilfsmittel und bauen auf zahlreichen Lagen von gegensätzlichen linearen Strukturen auf. Darin wechseln geschlossene und offene Formen einander ab, Amorphes mischt sich mit präziser Geometrie, rhythmische Wiederholungen überlagern frei schwingende Kurven. Die Gesamtkomposition oszilliert zwischen Raum und Fläche. Diagonalen ziehen den Blick in die Tiefe, während flächig gesetzte Schraffuren die Zweidimensionalität betonen.

Wie geschafften ist das Siegerprojekt für die gläsernen Trennwände im Durchgangsbereich zwischen den Arbeits- und Besprechungsräumen und dem Korridor der Operationsabteilung. Es bringt die feinen Zeichnungen bestens zu Geltung und spielt mit innen und aussen. Dabei kommt der Transparenz des Bildträgers eine entscheidende Rolle zu. Auf diese Weise wird die architektonische Umgebung Teil der Installation. Auf dreissig Metern Länge hat der Künstler vierzig raumhohe Glastrennwände mit unterschiedlichen Kompositionen bespielt.

Der konzeptuell zu verstehende Titel «Berlin 27022017» bezieht sich auf Zeit und Ort der Entstehung. Beat Brogle, der zwischen verschiedenen Grossstädten pendelt, hat die Vorlagen in Berlin 2017 gezeichnet und in Basel drucken lassen. Aus einem zusammen hängenden Bild bereitete die Druckerei fünf einzelne Folien vor. Jeweils zwei pro Einheit übertrug sie mit Siebdruck auf die Innenseite der Doppelverglasung. Aus Drehung, Verschiebung und Überlagerung der Folien sind vierzig unterschiedliche Motive hervorgegangen. Sie funktionieren autonom oder im Zusammenhang, sind abstrakte Bilder, lassen sich beim Betrachten mit gegenständlichen Assoziationen anreichern. Unterschiedlich transparente Bereiche erlauben oder verwehren den Durchblick. Das Auge zoomt zwischen verdichteten Bereichen und leeren Zonen hin und her. Das visuelle Erleben gleicht einer „Achterbahnfahrt“ und der damit verbundene dynamische Perspektivenwechsel bringt eine filmische Seherfahrung mit sich.

Im ortsspezifischen Zusammenhang des Klinikums lassen sich Beat Brogles Bilder als künst-lerische Organismen, bestehend aus sich durchdringenden biologischen Strukturen und Geweben lesen. Der Ausdruck von Vitalität und Bewegung ist ihnen eigen und wird zum Motiv der Betrachtung. Im Durchgangsbereich von Krankheit, Operation und Genesung mutieren die Glaswände zu einer Membran, die Lebendiges hervorbringt.

Informationen zur Entstehung
Der Operationstrakt Ost des Universitätsspital Basel wurde ab 2011 saniert und erweitert. In der ersten Phase wurde auf der Hofseite des Spitals ein fünfgeschossiger Neubau mit acht Operationsräumen erstellt. Im laufenden Spitalbetrieb wurden anschliessend alle zwölf bis-herigen Operationssäle erneuert, vergrössert und mit drei weiteren Sälen ergänzt. Die alten Räumlichkeiten der OP-Abteilung aus den Siebzigerjahren waren zu klein und entsprachen nicht mehr dem heutigen Standard.

In einem 2012 offen ausgeschriebenen Kunst-und-Bau-Wettbewerb, der nach einer künstlerischen Intervention oder einem Konzept für die sanierten Bereiche fragte, setzte sich der Künstler Beat Brogle mit seinem Vorschlag «Berlin 27022017» durch.

Technik 
Zeichnung, übertragen auf Siebdruck hinter Glas
Datierung 
2017
Objektmasse 
Andere 
270 x 470 cm, 270 x 690 cm, 270 x 770 cm und 270 x 2330 cm
Standort 
Klinikum 1, Operationstrakt
Spitalstrasse 21
4056 Basel
Schweiz

Für weitere Informationen und Bildmaterial wenden Sie sich bitte an: Präsidialdepartement, Abteilung Kultur, Kunstkredit, Livia Möckli, Marktplatz 30a, 4001 Basel, Telefon +41 (0)61 267 43 16, E-Mail livia.moeckli@bs.ch

Künstler/innen
Beat Brogle

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