Grosse stehende Figur oder Junger König

Grosse stehende Figur oder Junger König

Public Art

In der Eingangshalle im Erdgeschoss der Kantonsschule Zug befindet sich das Werk Grosse stehende Figur, auch Junger König genannt, von Fritz Wotruba. Das Werk ist ein Bronzeguss einer Kalkstein-Skulptur aus den Jahren 1961/62. Es wurde 1972 vom Kanton Zug angekauft, mit der Absicht, dieses im späteren Neubau der Kantonsschule zu platzieren. Seit 1975 steht die Plastik nun in der lichtdurchfluteten und weitläufigen Eingangshalle, von der grossen Fensterfront gegen den Pausenplatz zurückversetzt. 

Die schlanke, mannshohe Bronzeplastik steht auf einem Sockel. Sie erinnert an eine abstrahierte stehende Figur. Die Körperteile, Stand und Spielbein, Rumpf und Kopf, sind kubisch ausgeformt und wirken proportional ausgewogen. Die Oberfläche ist fein ausgearbeitet, die Gussnähte sind sichtbar. Die Benennung Junger König verweist auf die intensive Beschäftigung Fritz Wotrubas mit dem antiken Theater. Eine Anlehnung an die griechisch-antike Kunst ist auch die Formgebung der Plastik, die an einen klassischen Pfeiler mit Basis, Schaft und Kapitell erinnert. Sie steht für die Rückbesinnung auf das Archaische, das Dauerhafte der Natur. 

Fritz Wotruba und seine Frau Marian hatten während ihrer Exilzeit in Zug von 1938/39-1945 eine sehr enge Freundschaft mit dem Sammlerehepaar Fritz und Editha Kamm begründet, welche von lebenslangem Bestand sein sollteAuch die Zuger Kunstgesellschaft pflegte einen intensiven Kontakt mit Wotruba, kaufte Werke an und veranstaltete Ausstellungen mit ihm. Zeugnis dieser langen und tiefen Freundschaft sind die zahlreichen Werke in der Stiftung Sammlung Kamm, die grösstenteils mit Beratung des Künstlers erworben wurden. Die Bestände der Zuger Kunstgesellschaft, der Stiftung Sammlung Kamm sowie Dauerleihgaben bilden neben dem von der Fritz Wotruba Privatstiftung im 21er Haus in Wien verwalteten Nachlass die wichtigste öffentliche Sammlung von Werken des Künstlers.

Fritz Wotruba (1907-1975) wurde in Wien geboren. Von 1926 und 1929 studierte er Bildhauerei an der Kunstgewerbeschule in Wien. Aus politischen und wirtschaftlichen Gründen verliess er 1933 zusammen mit seiner Frau Marian sein Heimatland; von 1938 bis 1945 lebte das Ehepaar Wotruba in Zug im Exil. Wotrubas Atelier an der Weinbergstrasse 4 in Zug war ein beliebter Treffpunkt vieler Künstler und Intellektueller. Durch seine Exiljahre in Zug während des Zweiten Weltkrieges schloss Fritz Wotruba enge Freundschaften in der Stadt und grosse Unterstützung und Wertschätzung erfuhr, blieb im Grunde seines Herzens immer Wiener. Kurz nach dem Krieg kehrte er in die Hauptstadt zurück. Hier war er an die Akademie der Bildenden Künste berufen worden, wo er bis zu seinem Tod eine Meisterschule für Bildhauerei leitete. Wotruba nahm die Anregungen der Schweizer Kunstschaffenden und Intellektuellen auf, konnte seine Schaffenskrise während des Krieges aber erst nach Wien zurückgekehrt überwinden und die vielen Eindrücke umsetzen. Wotruba wurde sechs Mal an die Biennale von Venedig eingeladen. Seine Werke zeigte er an zahlreichen Ausstellungen in Österreich, Deutschland, Frankeich, Italien, den USA und der Schweiz. 

Datierung 
1961
Objektmasse 
176,5 x 33,5 x 45
Standort 
Kantonsschule Zug
Lüssiweg 24
6300 Zug
Schweiz
Autor/innen
Jacqueline Falk
Künstler/innen
Fritz Wotruba

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