Grosses Chorwandfresko

Ferdinand Gehr, grosses Chorwandfresko, Kirche St. Marien, Olten

Ferdinand Gehr, grosses Chorwandfresko, Kirche St. Marien, Olten

Grosses Chorwandfresko

Public Art

Ferdinand Gehr war so oft wie kaum ein anderer Schweizer Künstler des 20. Jahrhunderts im öffentlichen Auftrag tätig und schuf über 60 Projekte für Kirchen, Schulen und Gemeinden. Besonders die Architekten, unter ihnen Hermann Baur, Ernst Gisel oder Hanns A. Brütsch, schätzten Gehrs reduzierte Formensprache und sein einmaliges Gespür für räumliche Zusammenhänge. Mit seiner Fähigkeit, sakrale Innenräume in Abstimmung mit der Architektur zu gestalten, gelangen Gehr Werke, die zum Herausragendsten zählen, was Schweizer Künstler im zwanzigsten Jahrhundert hervorgebracht haben.

 

1952 wurde der Maler mit der künstlerischen Gestaltung der Chorwand in der von Hermann Baur entworfenen St. Marienkirche (1947 – 1953) beauftragt. Im Oltner Chorwandbild wurden Architektur und bildende Kunst von Anfang an als Einheit verstanden. Das Werk stellt in der Verbindung mit dem Baldachin und den Glasfenstern in der Marienkapelle einen Markstein der modernen Schweizer Kirchenkunst dar. Als Thema wählte Gehr die Gemeinschaft mit Gott im eucharistischen Mahl. Das Hauptbild über dem Altar richtete Gehr kompositorisch auf die Raummitte und den Altar hin aus. Unter den Hauptfiguren, Christus und Gottvater, die von Geistwesen umrahmt sind, ist das Abendmahl dargestellt, mit Christus, seinen Jüngern und den daran teilnehmenden Menschen. Die Einzelbilder bereiten thematisch auf das Bildgeschehen vor und zeigen links das Opfer Abels und rechts Abrahams Begegnung mit den drei Gottgesandten.

 

In der Zeit seiner Entstehung war das Chorwandbild grosser Kritik ausgesetzt. Die konservativen kirchlichen Kreise lehnten Gehrs eigenwillige Interpretationen der Bildthemen und den freien Umgang mit Farbe und Form vehement ab. Während sich der Protest in Olten noch in Schranken hielt, musste das 1954 geschaffene Wandbild der Kirche in Wettingen auf Geheiss des Bischofs verhüllt werden.

1957 wiederholte sich dieser Vorgang in Oberwil bei Zug und führte zu jenem beispiellosen Bilderstreit, der Gehrs von tiefer Spiritualität geprägtes Werk in den Medien international zur Diskussion stellte.

 

Die Glasfenster in der Marienkapelle, die Farbgebung der Betongläser über der Empore und die Feingestaltung des Baldachins stammen ebenfalls von Gehr.

Technik 
Fresko, Wandbild
Datierung 
1952
Standort 
Engelbergstrasse 25
Kirche St. Marien - Chorwand
4600 Olten
Schweiz

Die Broschüre "Kunst in Olten - 5 Spaziergänge zu 83 Werken in der Stadt" kann beim Kunstmuseum Olten, Olten Tourismus und im Stadthaus gratis bezogen werden. Sie wurde dank eines anonymen Spenders realisiert. 

Künstler/innen
Ferdinand Gehr

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