Hémisphère

Maude Schneider, Hémisphère, Blick von unten nach oben im Atrium, Foto: Thomas Jantscher, Colombier

Maude Schneider, Hémisphère, Blick von unten nach oben im Atrium, Foto: Thomas Jantscher, Colombier

Maude Schneider, Hémisphère, Blick auf erster Etage, Foto: Thomas Jantscher, Colombier

Maude Schneider, Hémisphère, Blick auf erster Etage, Foto: Thomas Jantscher, Colombier

Hémisphère

Public Art

Der Neubau der Banque Raiffeisen Pierre Pertuis hat einen Buckel. Die Künstlerin Maude Schneider verpasste diese unerwartete Ausbuchtung der sonst so perfekt orthogonal erscheinenden Raiffeisenbank.

Eine Halbkugel, oder „Hémisphère“ wie sie die Künstlerin aus St. Imier im Berner Jura nennt, tritt im Innenhof des Bankgebäudes deutlich aus der weissen Wand hervor. Ihre sinnlichen Rundungen stören die Entwurfsidee, der zu Folge diese Wand als glatte makellose Fläche vom Erdgeschoss bis zur Attika über alle Stockwerke zum Lichteinfall im Dach aufsteigen sollte.

Auf Höhe der ersten Etage zieht sich der Putz straff wie eine Haut über eine geheimnisvolle Fülle. Nahtlos wächst ihre Wölbung aus der Wand in den Luftraum. Sie wirft Fragen auf. Zeichnet sich da ein Organ des Gebäudes ab? Füllt es sich bei seiner Tätigkeit? Atmet etwa das Gebäude?

Tatsächlich handelt es sich um ein künstlerisches "Implantat", um eine aus Gips über eine Eisenarmierung modellierte Halbkugel. Exakt positioniert und der Übergang mit grösster Sorgfalt zur Fläche ausgestrichen kreiert die Künstlerin eine elegante Intervention, die ganz in der Tradition ihres eigenen künstlerischen Mediums, der Porzellankunst, steht. Mit dem Lichtspiel auf den Leerstellen der Wand, der Verwendung einer schlichten Form ohne Schnörkel und dem Einbezug des Freiraums gelingt es Maude Schneider gleichermassen Balance und Spannung zu kreieren. Sie verknüpft Irritation und die Op-Art-mässige Spielerei mit der Begrenztheit der menschlichen Wahrnehmung. Frontal betrachtet lässt es der kreisförmige Schatten nämlich zu, die Wand kugelförmig nach hinten gewölbt oder nach vorne anschwellend zu lesen. Mit dem Verzicht auf Farbe oder spezielle Textur respektiert Maude Schneider die Geschlossenheit des architektonischen Körpers. Sie unterstreicht diese sogar mit der konträren Qualität ihres „subkutanen“ Eingriffes. Doch seine Ironie durchbricht die Strenge der kartesischen Perfektion mit einem Augenzwinkern.

Projektwettbewerb / Ausführung 2015

Datierung 
2015
Standort 
Rue du Collége 32
2605 Sonceboz-Sombeval
Schweiz
Autor/innen
Donata Gianesi
Künstler/innen
Maude Schneider

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