ist wird

Heinz Gappmayr, ist wird, 1996, Installation, Folie, 62 x 89 cm und 62 x 174 cm Kunsthaus Zug, Dorfstrasse 27, Eigentum Kunsthaus Zug

Heinz Gappmayr, ist wird, 1996, Installation, Folie, 62 x 89 cm und 62 x 174 cm Kunsthaus Zug, Dorfstrasse 27, Eigentum Kunsthaus Zug

ist wird

Public Art

Der österreichische Konzeptkünstler Heinz Gappmayr (1925-2010) rückt seit den 1960er-Jahren die Sprache als Kunstgegenstand ins Zentrum seines Schaffens. Sein künstlerisches Konzept baut auf einer umfassenden sprachlich-bildnerischen Grundlage auf und verknüpft Aspekte der Sprachforschung, der Bildtheorie und Philosophie. Für Gappmayr sind Buchstaben, Zahlen und Worte nicht nur als Zeichen für einen Inhalt zu verstehen, sondern auch als bildnerischer Ausdruck. Damit gehört der Österreicher zu den Hauptvertretern der Visuellen Poesie, die Wörter und Zeichen als eine konkrete gedankliche Realität behandelt. Gappmayrs visuelle Texte entfalten sich auf Papier, Leinwand oder auch auf Wandflächen. Vor allem Worte des Seins, des Werdens und Vergehens verwendet er in den von ihm gestalteten, dynamisierten Buchstaben- und Wortfolgen, teils ergänzt um einfache geometrische Formen. 

Die Textinstallation «ist wird» entstand 1996 im Rahmen einer Einzelausstellung von Heinz Gappmayr im Kunsthaus Zug und wurde an den Aussenwäden vom 1990 von Franz Flüeg umgebauten Nordtrakt des Kunsthauses übereck angebracht. In schwarzer Groteskschrift in Kleinbuchstaben steht auf der einen Aussenmauer zentriert «ist» und auf der anderen «wird» - die Worte stehen für sich und gehören gleichzeitig zusammen. Die sprachlichen Elemente von «ist wird» lassen Denkbilder entstehen, in denen das Gedachte zugleich bildlich und ideell anschaulich wird. Besonders wichtig dabei ist die Rolle der Betrachtenden, die den Sinngehalt von «ist wird»erst hervorbringen. Das Werk «ist wird»steht für das Hier und Jetzt und das Danach. Als typisches Beispiel der Konkreten und Visuellen Poesie wird auch bei «ist wird»die Realität erst durch die lesenden Passanten kontextualisiert. Da dieser reale Kontext mit jedem Betrachter neu hergestellt wird, bleibt auch die Sinndeutung und somit die Wirklichkeit im Fluss der Zeit; sie «ist wird». 

Heinz Gappmayr wurde in Innsbruck geboren, wo er auch lebte und arbeitete. In den frühen 1960er Jahren stellte er erstmals seine Werke aus, in der bildmächtigen österreichischen Kunst hatten es Gappmayrs Arbeiten jedoch lange schwer. Zunächst wurde sein reduziertes Werk vor allem im Ausland wahrgenommen: 1995 wurde er mit dem Tiroler Landespreis für Kunst geehrt und erst 1997 kommt es zu einer Retrospektive in der Kunsthalle Wien.

Datierung 
1996
Objektmasse 
62 x 89
62 x 174
Material 

Installation, Folie

Standort 
Kunsthaus Zug
Dorfstrasse 27
6300 Zug
Schweiz

Eingentum Kunsthaus Zug

Autor/innen
Jacqueline Falk
Künstler/innen
Heinz Gappmayr

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