Meret Buser — Vierzäh Täg hinterem Mond

Meret Buser · Vierzäh Täg hinterem Mond, Recipes from my Grandmother’s Life, 2014

Meret Buser · Vierzäh Täg hinterem Mond, Recipes from my Grandmother’s Life, 2014

Meret Buser · Vierzäh Täg hinterem Mond, Recipes from my Grandmother’s Life, 2014

Meret Buser · Vierzäh Täg hinterem Mond, Recipes from my Grandmother’s Life, 2014

Meret Buser — Vierzäh Täg hinterem Mond

Digital Art

Digitale Kunst / Users’ Choice — Natürlich kann man Haselnussstengeli kaufen oder, wenn man sie selbst backen will, das Rezept in einem Kochbuch nachschlagen. Oder im Netz. Allerdings: So gut wie bei der Grossmutter werden sie nicht schmecken. Es sei denn, man macht es wie Meret Buser (*1990). 2014 hat sich die Basler Fotografin und Grafikdesignerin zu ihr aufgemacht – unter anderem um zu lernen, wie man Haselnussstengeli backt. Aus dem Plan, gemeinsam ein Kochbuch mit den traditionellen Familienrezepten zu schreiben, wurde dann – nein, nicht nichts, sondern ein Filmprojekt fürs Netz. Es erzählt von zwei Frauen, die in verschiedenen Welten leben mögen, einander aber doch eng verbunden sind. Die Jüngere, studierter Stadtmensch, will von der Älteren wissen, wie es sich «hinterem Mond» lebt. Und auch, wie man die leckeren Haselnussstengeli macht, den süssen Russenzopf, den Kartoffelstock und die deftigen Dörrbohnen. Dazu gehört natürlich allem voran das Zusammenstellen der Zutaten, das Erlernen der entscheidenden Handgriffe und Kniffe bei der Zubereitung. Zugleich bietet das gemeinsame Kochen, Backen und Sockenstricken Raum für einen Austausch zwischen den Generationen, der viel weiter geht. Bis zum Leben, Lieben und Leiden. Wie es war: Nein, lacht die Grossmutter, lustig ist das nicht immer gewesen. Aber eben so, wie auch die Zwiebeln geschnitten werden müssen. Zwischendurch nimmt sie die Kamera, damit die Jüngere das Hackfleisch kneten kann. Sie habe, sagt die Grossmutter, auch von ihrer Mutter gelernt – und es dann, weil die Zeiten sich ändern, ein wenig anders gemacht. Später erzählt sie vom Daheimsein. Und vom Alleinsein, in dem all das Vertraute Halt gibt, auch wenn sich die Lücken derer, die nicht mehr da sind, nie füllen lassen. Oder allenfalls ein wenig mit dem, was man wie immer macht. Haselnussstengeli beispielsweise. Und so folgt man den beiden Frauen durch die Geschichten, kommt ihnen so nah, als stünde man selbst mit am Küchentisch. Das Leben der anderen, das eigentlich ein anderes ist – und in dem man doch Vertrautes findet. Von dem man vielleicht sogar etwas lernen kann. Die Rezepte gibt es dazu, per Mausklick kann man sie bequem als hübsches PDF der handgeschriebenen Originale abrufen und herunterladen. Das macht man und merkt zugleich: Ganz sicher werden die Haselnussstengeli lecker schmecken. Und dennoch, eine entscheidende Zutat fehlt, wenn man die Zweisamkeit «hinterem Mond» wieder verlässt: Familienrezepte leben von und mit den Menschen, die sie ersinnen, zubereiten und weitergeben, von Generation zu Generation. Vorgeschlagen von: Verena Kuni

Datierung 
2019
Curator's Choice
Curator's choice April 2019

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