Ohne Titel

Harald Naegeli, Ohne Titel, 2018, Frauensteinmatt, Eingang Artherstrasse

Harald Naegeli, Ohne Titel, 2018, Frauensteinmatt, Eingang Artherstrasse

Ohne Titel

Public Art

Fast wie ein Wegweiser wirkt die gesprayte, stilisierte Frauenfigur beim Eingang zum Parkhaus Frauensteinmatt an der Artherstrasse. Die mit schnellen, gekonnten Strichen gesprayte Strichfigur mit wallendem Haar und angedeuteten Brüsten und Geschlechtsteil begrüsst die Passanten, wobei sie mit einem Arm ins Innere des Parkhauses und mit dem anderen Arm zum Aschenbecher zeigt. Bei dieser Sprayarbeit handelt sich unverkennbar um ein Werk des Künstlers Harald Naegeli, die 2018 in Zug überraschend auftauchte. Naegeli war Ende der 70er und anfangs der 80er Jahre ein aktiver Sprayer, welcher mit seinen heute ikonischen Strichfiguren das Stadtbild von Zürich wesentlich mitprägte. Das Zuger Graffiti ist in seiner formalen Reduktion, seiner Leichtigkeit und Eleganz und der ortspezifischen Platzierung ein echter Naegeli. Es erinnert an ähnliche Sprayereien aus seinen Anfängen, welche sich heute noch in der ETH-Tiefgarage befinden und unter Denkmalschutz stehen. Naegelis Werke sind Kommentare zur Entwicklung der Städte und der Architektur, wobei es ihm um ein vom Wachstum verursachten, ästhetischen Unbehagen geht. Spontan einer Eingebung folgend, sprayt Naegeli schnell und ohne Skizze und stets in die Umgebung eingepasst. Über 5000 solche Strichmännchen hat Naegeli im Laufe seines Lebens in Zürich, Köln, Stuttgart, Düsseldorf, Berlin, Venedig und anderen europäischen Städten geschaffen. 

Harald Naegeli wurde am 4. Dezember 1939 in Zürich geboren und wurde Ende der 70er Jahre als «Sprayer von Zürich» bekannt. Markenzeichen des Zürcher Künstlers sind schnell und gekonnt gefertigte Strichfiguren. Naegeli sprayte sowohl auf öffentliche als auch private Wände schwarze Strichfiguren als Kommentar zum sich verändernden Stadtbild Zürichs. Er zählt zu den Vorläufern der Street Art in Europa und wird gerne als Graffiti-Künstler bezeichnet. Er selbst sieht sich als Zeichner, der sich nicht nur auf Papier beschränkt, sondern auch Mauern und Wände als Bildträger für seine Werke nutzt. Der heute 80-Jährige bekam für seine illegal angebrachten Sprayereien zahlreiche Strafanzeigen. Der Zürcher Künstler wurde in den 80er Jahren verhaftet und zu einer Haftstrafe verurteilt, erlangte jedoch zugleich Weltbekanntheit und Ehrungen aus dem Kulturbetrieb. 2020 tauchten während der Corona – Pandemie wieder vermehrt Werke in Zürich auf. In seinen neuesten Werken setzt er sich vor allem mit dem Tod auseinander. 2020 wurde Naegeli mit dem Zürcher Kunstpreis ausgezeichnet.

Datierung 
2018
Standort 
Eingang Parkhaus Frauensteinmatt
Artherstrasse
6300 Zug
Schweiz
Autor/innen
Jacqueline Falk
Künstler/innen
Harald Naegeli

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