Diffussion: Anna Amadio, Klodin Erb, Franziska Furter und Pierre Haubensak

Installationsansicht Ausstellung Diffusion, Lullin + Ferrari, Zürich, 2018

Installationsansicht Ausstellung Diffusion, Lullin + Ferrari, Zürich, 2018

Diffussion: Anna Amadio, Klodin Erb, Franziska Furter und Pierre Haubensak

Ereignistyp 
Ausstellung
Datum 
17.03.201812.05.2018
Information 

PRESSEMITTEILUNG

Diffusion

Anna Amadio, Klodin Erb, Franziska Furter, Pierre Haubensak

Wir freuen uns sehr, Ihnen die Gruppenausstellung Diffusion mit vier Positionen von drei Künstlerinnen und einem Künstler aus dem Galerieprogramm zu präsentieren. Das Thema der Ausstellung kreist lose um den Begriff „Diffusion“. Anstoss zu diesem Titel gab ein Interview der englischen Künstlerin Rebecca Warren mit dem damaligen Direktor des Kunstverein München Bart van der Heide im Jahr 2013. In diesem Gespräch äussert sich Warren über ihre bildhauerische Praxis und führt den Begriff „Diffusion“ ein, den sie dem Begriff „Spiegelung“ entgegensetzt. Ihre Arbeitsweise verläuft in Kreisen; oft kehrt sie zu einem Motiv zurück und entwickelt es weiter. „Statt Spiegelung scheint mir der Begriff der Diffusion zutreffender. Der Herstellungsprozess der Skulpturen wird zunächst durch einen oder mehrere Anfangsimpulse ausgelöst. Oft entsteht dann das Bedürfnis, bestimmte Merkmale neu zu entwickeln oder rückgängig zu machen (was in etwas Neues münden oder zu einer Ausdifferenzierung des bereits vorhandenen führen kann). Manchmal besteht die skulpturale Lösung auch darin, eine zweite ähnliche Form herzustellen (die ihrerseits als Echo oder Weiterentwicklung der bereits vorhandenen Form oder als etwas Neues fungiert). In diesem Prozess passieren viele Dinge. Am interessantesten ist aber, was dabei mit der Zeit passiert – die Zeit hat sich bewegt.“ Obschon sich diese Ausführungen spezifisch auf die Arbeitsweise der Bildhauerin Rebecca Warren beziehen, können sie auch auf die künstlerische Arbeitsweise im Allgemeinen gemünzt werden.

Alle vier in der Gruppenausstellung vertretenen Künstlerinnen und Künstler arbeiten in Serien. Dabei kehren sie oft zu Themen zurück, die sie in der einen oder anderen Form bereits in früheren Werkgruppen berührt haben, oder setzen, wie Klodin Erb, eine fortlaufende Serie fort. Seit 2013 entstehen Bildnisse, die sie „Orlando“ nennt und zur Unterscheidung nummeriert. Die Bezeichnung der Bildnisse verweist auf das bedeutende Buch Orlando (1928) der englischen Schriftstellerin Virginia Woolf, und gibt einen Hinweis zur Lesart der Serie. Der Roman beschreibt das Leben und den Werdegang von Orlando vom 16. bis ins 20. Jahrhundert mit allen Wirrungen und Verstrickungen, u.a. wechselt der zunächst männliche Orlando sein Geschlecht. Klodin Erb nimmt die „rhetorische“ Figur des Orlando als Inspiration für ihre Bildnisse. Die Vorbilder für die Portraits könnten unterschiedlicher nicht sein: Einerseits standen Bilder aus der Kunstgeschichte Pate, andererseits sind die Darstellungen pure Erfindungen der Malerin. Immer schwingt dabei ein Moment des Selbstbildnisses, der Selbsterkenntnis und Identitätsfindung in unterschiedlicher Form mit. In den Orlando-Bildnissen wird die Könnerschaft von Klodin Erb und die Lust am Medium der Malerei spürbar.

Neben der Malerei von Klodin Erb hängt ein Bild aus der Serie der Painting Kiss von Anna Amadio. Obschon im Titel als Painting bezeichnet, weisen die Bilder eine starke skulpturale Ebene auf, dies geht insbesondere aus ihrer Fertigung hervor. Die Bilder beruhen auf dem Verfahren des Rorschach-tests. Amadio wollte auf einen einmaligen, nicht wiederholbaren Test einen Zweiten darüber legen. Der zweite Test soll die Lesbarkeit des ersten Tests überdecken, verstecken, eventuell sogar schützen. Die Zahl "Zwei" lässt den Gedanken an einen Kuss aufkommen und somit auch an eine räumliche Dimension und einen Austausch. Vom zweiten, darüber gelegten Rorschachtest ist nur die Rückseite des Farbenrausches zu erkennen. Das zu- und ineinander fliessen sämtlicher Farbkombinationen und Formen bleibt verdeckt. Anna Amadio stellt fest, dass dies ihre kleinste räumliche Arbeit ist und sie zu einer Serie führte.

Im Hauptraum empfängt die grosse Tuschezeichnung Ground I von Franziska Furter das Publikum, die in ihrem Entstehungsjahr 2004 in der Galerie Friedrich in Basel mit Ground II ausgestellt war. Sie gibt eine eruptive, schwarzweisse Vulkanlandschaft wieder. Im hinteren Raum hängen zwei weitere Zeichnungen von Franziska Furter aus der Vision Cloud-Serie, Drift und Rainy Day. Diese Arbeiten besitzen eine persönliche Note, da sie auf eigenen Beobachtungen von Franziska Furter, aus „ihrer Cloud“ beruhen: visuelle Verschiebungen im Alltag, aus dem Augenwinkel Gesehenes, Erinnertes, Visualisierungen von Unsichtbarem, zum Beispiel Verschwinden, Geschwindigkeit, Nebelfelder). Manchmal fliesst Formales oder Inhaltliches von ihren eigenen älteren Arbeiten mit ein. In dieser Serie fängt sie das Unverhoffte, Vorbeiziehende ein. Drei neue Bilder von Pierre Haubensak vervollständigen die Ausstellung. In ihnen thematisiert er Bildprozesse und Entscheidungen mit genau gesetzten Farbaufträgen. Die Farbwahl, knalliges orange und türkis, sind ungewöhnlich im Oeuvre des Künstlers. Zusätzlich mit der Offenheit der bildlichen Formulierung räumen diese Bilder dem Publikum eine grosse Freiheit in der Betrachtung ein. Die beiden türkisfarbigen Bilder weisen formale Ähnlichkeiten auf, besitzen aber auch, da sie auf verschiedenen Bildträgern gemalt sind, einerseits weiss-grundiertem Baumwollstoff, anderseits lediglich farblose Acrylgrundierung auf Leinen einen sehr unterschiedlichen Charakter. In der vergleichenden Betrachtung der beiden Bilder wird die Vorstellung von Diffusion und der Ablauf von Zeit fassbar.

Biographien

Anna Amadio (geb. 1963 in Belp, bei Bern, lebt und arbeitet in Basel), Plastikerin und Zeichnerin, zahlreiche Ausstellungen im In- und Ausland, u.a. im Kunstverein Freiburg, in der Basler Kunsthalle. 2017 Einzelausstellung im Kunsthaus Grenchen und aktuell, bis am 6. Mai 2018, grosse Einzelpräsentation im Kunst(Zeug)Haus, Rapperswil-Jona.

Klodin Erb (geb. 1963 in Winterthur, lebt und arbeitet in Zürich), ist Malerin mit einem breiten Repertoire und arbeitet in verschiedenen Medien. Viele Einzel und Gruppenausstellungen in bedeutenden Schweizer Museen, u.a. Kunstmuseen Luzern und Solothurn, Museum Langmatt, Baden, Museum zu Allerheiligen, Schaffhausen. Werke in bedeutenden Sammlungen im In- und Ausland. Aktuell, bis am 1. April 2018, Einzelausstellung im Kunsthaus PasquArt, Biel.

Franziska Furter (geb. 1972 in Zürich, lebt und arbeitet in Basel und Berlin) erzeugt in ihren Skulpturen und Zeichnungen oft Stimmungen, die auf ausserbildliche Ereignisse verweisen. Einzelausstellungen in London, Berlin, Paris. Ihre Zeichnungen befinden sich u.a. in den Sammlungen des Aargauer Kunsthaus, des Kunstmuseum Basel, des Kupferstichkabinett Berlin und des MoMA in NY.

Pierre Haubensak (geb. 1935 in Meiringen, Schweiz, lebt und arbeitet in Zürich) arbeitet seit den 1960er Jahren an einem konzisen Oeuvre im Medium Malerei. Immer wieder erprobt er neue bildnerische Möglichkeiten. Er ist in vielen Einzelausstellungen, u.a. im Kunsthaus Zürich, Kunst Museum Winterthur, Stedelijk in Amsterdam, Kunsthalle Bern, und in der Gruppenausstellung Rhythm in it (2013) im Aargauer Kunsthaus hervorgetreten.

Die Ausstellung Diffusion dauert bis zum 5. Mai 2018. Für weitere Information und Bildmaterial kontaktieren Sie bitte die Galerie Lullin + Ferrari, Limmatstrasse 214, CH–8005 Zürich,t. +41 43 205 26 07, info@ lullinferrari.com, www.lullinferrari.com, Öffnungszeiten, Dienstag bis Freitag 12–18 Uhr, Samstag 11–17 Uhr und nach Vereinbarung
 

Institution 
Adresse 
Limmatstrasse 214
8005 Zürich
Schweiz
AddToAny buttons 

Werbung