TRANSFORMATION #7, Hemauer/Keller

Akustisches Ortungsgerät (unbekanntes Zwei-Horn-System auf dem Bolling Field Stützpunkt, USA, 1921), Hemauer/Keller, 2020

Akustisches Ortungsgerät (unbekanntes Zwei-Horn-System auf dem Bolling Field Stützpunkt, USA, 1921), Hemauer/Keller, 2020

TRANSFORMATION #7, Hemauer/Keller

Himmelstrichterrichtungshörer

Ereignistyp 
Ausstellung
Datum 
20.05.202124.07.2021
Information 

TRANSFORMATION #7

 

HEMAUER / KELLER

«Himmelstrichterrichtungshörer»

 

Vernissage: 20. Mai 2021, 19 Uhr

Mit dem Künstlerduo Christina Hemauer und Roman Keller, Philipp Zehnder (Musikperformance), Matias Lanz (Organist), Anselm Burr, Pfr. i. R. (Begründer der ersten Schweizer City-Kirche: «Offener St. Jakob am Stauffacher» Zürich) und Anita Bättig (Kuratorin)

In der Ausstellung #7 der Reihe TRANSFORMATION zeigt das Zürcher Küstlerduo Christina Hemauer und Roman Keller eine vielschichtige Intervention in der Temporären Kapelle. Ihr Eingriff in den Raum und die überraschende Verbindung von Aussen- und Innenraum hinterfragt unsere Definition von Natur und Kultur. In ihrer poetischen Herangehensweise verweisen sie auf unsere Erwartungen und ermutigen uns, auch die leisen Töne zu vernehmen.

 

Von den Orgelpfeifen, die in der Temporären Kapelle stehen, gehen Schläuche aus. Sie ziehen sich durch den Raum und gelangen über ein Loch in der Wand nach aussen. Im Aussenraum der Dorfkirche finden die Besucher*innen grosse Trichter, die am Ende der Schläuche befestigt sind. Je nach Wetterlage wird der Wind von den Trichtern aufgefangen und über die Schläuche in den Innenraum zu den Orgelpfeifen transportiert. Mit etwas Glück und dem richtigen Timing vernehmen die Besucher*innen der Kapelle den leisen Klang der Pfeifen, der vom Luftstrom ausgelöst wird.

«Himmelstrichterrichtungshörer» nennen die beiden Künstler*innen Christina Hemauer und Roman Keller ihre Intervention in der Temporären Kapelle Veltheim. Die Idee rührt von einer Begebenheit im Atelier des Künstlerduos in Italien her. Durch ein Lüftungsrohr hören sie den Wind leise heulen. Sie nennen diesen Klang liebevoll Spirito Giulio, da sich ihr Atelier an der Via Giulio Tanini befindet.

Das westliche Denken hat Natur und Kultur voneinander getrennt. Die Kultur findet oft in Innenräumen statt und die Natur verbinden wir mit Aussen. Schauen wir heute aber nach draussen in die Natur, so Hemauer/Keller, sehen wir fast immer eine Kulturlandschaft. Die Trennung von Natur und Kultur sei darum obsolet geworden und müsse neu gedacht werden.

Der Soziologe Bruno Latour beschreibt die Begriffe Kultur und Natur wie mit einem Gummiband miteinander verbunden, wobei wir uns als Kultur verstehen und den Rest des Planeten als Natur.[1] Natur und Kultur sind darum nicht getrennt voneinander zu nennen. Der Mensch (die Kultur) und die Natur bleiben voneinander abhängig und beeinflussen sich gegenseitig.

Derzeit wird die Diskussion um die Beeinflussung der biologischen, geologischen und atmosphärischen Prozesse durch den Menschen unter dem Begriff Anthropozän – ein Begriff, mit dem eine neue geochronologische Epoche zu beschreiben versucht wird –  geführt. Das Künstlerduo Hemauer/Keller beschäftigt sich seit mehreren Jahren mit diesem Einwirken des Menschen auf die Natur. So auch in ihrer Intervention «Himmelstrichterrichtungshörer», die sie in der Kapelle vorstellen. Mit wissenschaftlichem Blick, Scharfsinn und einem Hauch Ironie schaffen sie den Bogen zwischen Wissenschaft und Kunst in einer zeitgenössischen, künstlerischen Umsetzung aufzuspannen.

 

Hemauer/Keller leben in Zürich. Seit 2003 arbeiten sie als Künstlerduo.
Christina Hemauer (*1973, Zürich), studierte an der Hochschule für Gestaltung und Kunst Zürich und an der Kunstakademie Gent, Belgien
Roman Keller (*1969, Liestal), studierte Umweltnaturwissenschaften an der ETH Zürich und absolvierte eine Ausbildung in Fotografie.

 

https://hemauerkeller.land/cv/

Adresse 
Felsenhofstrasse 8
8400 Winterthur
Schweiz
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Künstler/innen
Hemauer/Keller

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