ZuZug aus Osteuropa — Positionen der Sammlung

Josef Hoffmann, Flächenmuster, o.J., Kunsthaus Zug, Stiftung Sammlung Kamm

Josef Hoffmann, Flächenmuster, o.J., Kunsthaus Zug, Stiftung Sammlung Kamm

ZuZug aus Osteuropa — Positionen der Sammlung

Ereignistyp 
Ausstellung
Datum 
30.01.202118.04.2021
Information 

Unbekannt, fremd, anders. Als der eiserne Vorhang fiel und den Kalten Krieg einleitete, rückte «Osteuropa» in weite Ferne. Dieser – geografisch, politisch und kulturell unkorrekte – Begriff fasst die damalige Zweiteilung der Welt in «den Osten» und «den Westen» in einem Wort zusammen. Obwohl Länder wie Tschechien, Polen, Ungarn und Russland geographisch nahe liegen, erscheinen sie oft noch heute fern.

Die neue Sammlungsausstellung «ZuZug aus Osteuropa» richtet ihren Blick auf dieses Unbekannte und zeigt zum ersten Mal grössere Werkgruppen mittel- und osteuropäischer Kunstschaffenden mehrerer Generationen. Während die letzte Ausstellung «BeZug» die Sicht auf Zug thematisierte, dreht «ZuZug» den Spiess um und blickt von «Innen» nach «Aussen». Dabei schliesst der Blick auf das Fremde das Eigene stets mit ein: Wie man etwas erlebt und betrachtet, geschieht immer vor dem Hintergrund der eigenen Lebenswelt.

Geradezu beispielhaft für den Perspektivenwechsel stehen etwa die Werke von Guido Baselgia und Jan Jedlička: Der ehemalige Wahlzuger Baselgia richtete seine Kamera auf den russischen Künstler Pavel Pepperstein und dessen Freunde im Kunsthaus Zug. Gegenüber die Porträts Jan Jedličkas von westlichen Kunstschaffenden im Kunstmuseum Winterthur wie Gerhard Richter, Sol LeWitt und Roni Horn. Ein Kontrast von «West» und «Ost». Und während die tschechischen Künstler Pravoslav Sovak, Jan Jedlička und Tomas Kratky in die Schweiz kamen aus Anlass der niedergeschlagenen Reformbewegung des Prager Frühlings 1968, ging der Appenzeller Künstler Roman Signer den umgekehrten Weg. Er studierte in Warschau Kunst und heiratete die Künstlerin Aleksandra Rogowiec.

Die Ausstellung «ZuZug» zieht nicht nur eine Linie von «West» nach «Ost», sondern verbindet auch verschiedene Generationen und Sichtweisen: Etwa das zeichnerische Schaffen Josef Hoffmanns, der in Böhmen aufwuchs und ein wichtiger Architekt und Designer der Wiener Moderne ist. Aus Ungarn Péter Nádas mit Fotografien eines Birnbaums und des Himmels, welche die Zeit und Veränderung thematisieren. Das Künstlergespräch zwischen Ilya Kabakov, Boris Groys und Pavel Pepperstein aus der ehemaligen Sowjetunion. Und Werke von Annelies Štrba, deren Grossvater aus dem ehemaligen Jugoslawien nach Baar und Zug kam.

Nicht zuletzt bezieht sich «ZuZug» auch auf gegenwärtige Proteste, Aufstände und revolutionäre Geschehnisse in Polen, Russland, Ungarn, Weissrussland und der Ukraine. Freiheit und Toleranz, Weggang und Flucht bleiben als Themen schmerzlich aktuell.

Institution 
Adresse 
Dorfstrasse 27
6301 Zug
Schweiz
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Videos

Die Ausstellung «ZuZug» ist eröffnet und doch wegen Corona geschlossen. Ein Videoessay von Carlos Lügstenmann lädt zum digitalen Besuch. 

Es ist die zweite Ausstellung des Kunsthauses Zug im Zeichen von Corona. «ZuZug» zeigt erstmals aus dem Bestand der eigenen Sammlung grössere Werkgruppen mittel- und osteuropäischer Kunstschaffender aus mehreren Generationen und bezeugt den privilegierten Bezug des Hauses zu Osteuropa. Mehrere einander ergänzende Angebote geben einen umfassenden digitalen Einblick in die neue Sammlungsausstellung. Denn aus «ZuZug» ist coronabedingt vorerst «ZuZug digital» geworden.

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