Lorenz Spring in der Galerie Carzaniga & Ueker

Lorenz Spring · Wachsende Saat, 1997. Acryl, Dispersion, Rostblech, Mischtechnik auf Leinwand. 150 x 150 cm; Foto: Courtesy Galerie Carzaniga & Ueker, Basel

Lorenz Spring · Wachsende Saat, 1997. Acryl, Dispersion, Rostblech, Mischtechnik auf Leinwand. 150 x 150 cm; Foto: Courtesy Galerie Carzaniga & Ueker, Basel

Besprechung

Die ins Auge springenden Farben und populären Bildelemente wie zum Beispiel die Mickey Mouse hat Lorenz Spring in seinen neuen Bildern zurückgenommen, dafür treten seine malerischen Qualitäten deutlicher hervor.

Lorenz Spring in der Galerie Carzaniga & Ueker

Grundlage aller Werke von Lorenz Spring bildet eine informelle Malerei, über die eine weitere Schicht mit Bild- und Schriftelementen gelegt wird: Kritzeleien, die nicht zufällig an Cy Twombly erinnern, Zeichen und Zeichnungen, deren Stärke in ihrer Ungelenkigkeit liegt, Köpfe und Gesichter, die von den «Demoiselles d’Avignon» herkommen. Ergänzt werden die Bilder durch collagierte Fragmente und in jüngster Zeit vermehrt durch Anbauten aus Holzkasten und Türrahmen und Erweiterungen aus zusammengestauchtem Blech, Autowrackteilen und ähnlichem.

Was angestrebt wird, ist klar. Das Werk verlässt nicht nur die Bildfläche, es strebt gleich weiter in die dritte Dimension. Es löst sich von der Wand und dringt in den Raum vor, zuerst in Form eines Reliefs, und zunehmend auch in Richtung eines Objekts. Das Kunstwerk macht sich selbständig. Drei Dimensionen sind besser als zwei.

Was bei Lorenz Spring oft einen unbekümmerten Eindruck verursacht, kommt aus einer Naivität, die der Künstler nicht verleugnet, wenn er mit Ideen und dem Bildmaterial umgeht. Wenn er in seinen früher gezeigten Werken verschiedentlich über das Ziel hinausschoss und Einfällen zu schnell nachgab, beispielsweise indem er den Absatz eines Damenschuhs als Nase einer Mickey Mouse in die Bildkomposition einbezog, so werden diese Spässchen jetzt eingedämmt. Dafür geben die zusätzlich integrierten Materialien Springs Werken neuerdings den Charakter dreidimensionaler Collagen und lassen dadurch die informellen malerischen Qualitäten besser zur Geltung kommen.

Lorenz Spring ist ein Bewunderer der wuchtigen, gewaltsamen Bilder von Julian Schnabel. Manchmal könnte man meinen, er wolle es dem Amerikaner gleichtun, nur gelingt ihm dies nicht ganz. Das ist sein Glück. Spring geraten die Bilder eher zu skurrilen Aussagen, und ihre Intimität und Unbeschwertheit geben seinen Werken ein menschliches Mass. Dazu kommt eine Absicht, die sich in den Bildtiteln äussert: «Der Sämann», «Wachsende Saat» deuten auf eine christliche Thematik, und ein Bildtitel wie «Bedenke, dass du sterben musst» nimmt durch die Ironie der formalen Lösung der Angst und Ungewissheit des Lebens, die eigentlich gemeint ist, sofort wieder den Stachel.

Spring ist in seinem Schaffen – mehr in der Malerei als in den Objekten – im Vergleich zu früheren Arbeiten dezidierter geworden. Er ist nicht mehr so ungebremst heiter und unbelastet, sondern deutlich mehr um malerische Qualität bemüht, der seine überbordenden Einfälle bisher zu häufig einen Strich durch die Rechnung gemacht haben.


Bis 
13.02.1998
Autor/innen
Aurel Schmidt
Künstler/innen
Lorenz Spring

Werbung