Der Landschaftsarchitekt Günther Vogt im Architekturmuseum

Christian Vogt · Swiss Re Klubhaus, Zürich, Vogt Landschaftsarchitekten, Photo Christian Vogt

Christian Vogt · Swiss Re Klubhaus, Zürich, Vogt Landschaftsarchitekten, Photo Christian Vogt

Besprechung

Die Präsentation, die dem Werk des Gartenarchitekten Günther Vogt gewidmet ist, gehört zu jenen, welche das Unvermögen besonders deutlich werden lässt, verbal nicht dahin zu finden, wo das ausgestellte Ereignis stattfindet: in die Natur. Und mit
dieser unüberbrückbaren Differenz sind wir schon mitten drin in der Ausstellung. Denn was will diese transportieren, lautet die Frage, wie setzt sie sich mit Landschaftsarchitektur auseinander und wie lässt sich darüber sprechen.

Der Landschaftsarchitekt Günther Vogt im Architekturmuseum

Die Sprache versagt schon bei der Beschreibung von unterschiedlichen Blättern der nebeneinander wachsenden Büsche und Gräser. Die Natur, so lehrt das Gesehene, lässt sich nicht unseren Wünschen unterordnen. Bis ein Baum ausgewachsen ist, vergeht seine Zeit. Die Ausstellung nähert sich diesem gewichtigsten Element mit einem sinnlichen Zugang.

Im ersten Raum ist ein umfangreiches Naturalienkabinett auf Tischen und an den Wänden ausgebreitet. Die Exponate reichen von topographischen Modellen, Gesteinsproben, Schmetterlings- und Käfersammlungen bis zu ausgestopften Tieren, Herbarien und Botanisierbüchsen. Diese Sicht auf die Dinge lehrt, welch breites Assoziationsfeld die Landschaftsarchitektur umfassen könnte.

Von diesem Fundus, findet der Besucher seinen Weg in den zweiten, abgedunkelten Raum, dessen Boden aus festgedrückter Erde besteht. An einer Wand sind grossformatige Videobilder von Unterwasseraufnahmen zu sehen - kriechende Insekten und Pflanzendetails, die den Blick bannen. Es ist die verführerische Komponente der Natur, die zum lehmigen Boden in einem spannungsreichen Kontrast steht.

Der dritte Raum ist dem Thema Natur und Künstlichkeit gewidmet. Auf den Bildschirmen sind ein Gespräch mit Günther Vogt und eine Auswahl seiner Werke zu sehen. Dies ist der intimste Teil der Ausstellung, in dem das gedankliche Potenzial der Projekte zur Sprache kommt. Denn spätestens wenn Vogt das ?Buch der Natur? als eines des Scheiterns bezeichnet, wird klar, wie bescheiden er seinen Anteil an seiner Arbeit sieht und wie er sich auch dem Einfachsten nicht verschliesst. Besonders evident wird dies bei der wiederholten Erwähnung der Birke, die als erste Brachflächen spontan besiedelt, sehr schnell wächst und ein schönes Bild ergibt. Und Vogt zeigt, wie seine Arbeit einem nachhaltigen Denken verpflichtet ist. Was er heute tut, wird auch für kommende Generationen von Bedeutung sein.

Der letzte Raum ist dem Ausblick gewidmet. In grossen Büchern werden geplante und sich in Ausführung befindende Projekte präsentiert. Und neben dem einen Fenster, das den Blick auf einen blätterlosen Kastanienbaum gewährt, hängt eine Fotografie, welche die Situation im Sommer mit erfrischendem Grün zeigt.

Das Architekturmuseum beweist mit dieser Ausstellung abermals, dass die neuen Räume auch einen Start zu neuen Ufern bedeuten. Katalog: Von Büchern und Bäumen. About Books and Trees. Vogt Landschaftsarchitekten. Hrsg. Architekturmuseum Basel, Basel 2004. 77 S., Fr. 49.--.

Bis 
29.01.2005

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