Joseph Egan und Richard Francisco bei Annemarie Verna

Josef Eagan · Hostage, 2004, 24 x 18 x 2 cm, Farbe und Sand auf Leinwand, © Annemarie Verna Galerie

Josef Eagan · Hostage, 2004, 24 x 18 x 2 cm, Farbe und Sand auf Leinwand, © Annemarie Verna Galerie

Besprechung

Die beiden amerikanischen Künstler Joseph Egan und Richard Francisco haben sich ganz der Malerei verschrieben. Die intimen Räume im Soussol der Galerie bieten den kleinformatigen Arbeiten, die wie im Dialog zwischen Freunden zusammengebracht worden sind, ein adäquates, abgeschirmtes Ambiente.

Joseph Egan und Richard Francisco bei Annemarie Verna

So kleinformatig die in pastellenen Tönen gemalten Bilder von Joseph Egan auch sind, so wirken sie doch äusserst körperhaft und präsent. Der aus Pennsylvania stammende Joseph Egan (*1952), der seit einiger Zeit in Zürich lebt und arbeitet, baut eigentliche Wandobjekte aus Holzkisten, Sand und vielen Malschichten mit Acryl, Gouache, Dispersion und Lack. Diese Schichten verstärken den plastischen Eindruck und erzeugen eine starke sinnliche Wirkung. Sehr zart und poetisch wirken dagegen die skulpturhaften Bilder mit geometrischen und pflanzenähnlichen Motiven, die in einem milchigen Ton gehalten sind. Die in sanften Kontouren reliefierte Oberfläche scheint sich je nach Standpunkt der BetrachterIn mit dem sie umgebenden Raum zu verbinden. Dadurch entsteht der Eindruck, als würde die Form im Raum schweben. Wir nehmen auch immer wieder andere Details wahr, gerade wegen der Vielfalt der verwendeten Materialien. Dagegen konzentriert sich «Hostage», eine Ikone, mit wenigen weissen Strichen auf hellblauem Grund auf die wesentlichen Gesichtszüge. In ihrer Ruhe und Konzentriertheit erinnert «Hostage» entfernt an Alexej Jawlenskys «Meditationen». Die Bilder mit orientalisierenden, unregelmässigen Gitterstrukturen, deren weisse Netzformen sich vom dunklen Grund abheben, sind sehr feinmaschig.

Ihnen verwandt sind die ebenfalls mehrschichtig angelegten Arbeiten auf Papier von Richard Francisco (*1942). Der Kalifornier, der in New York lebt und arbeitet, verwendet für seine Papierreliefs das immer gleiche, kaleidoskopartige Muster. Die Serien «Quintets», - bemalte fünfteilige Papierreliefs in einem Geviert aus Wellkarton und einem aufleuchtenden Auge im Zentrum der Komposition -, und «Untitled» erinnern an Mandalas. In ihrer Buntheit können sie durchaus mit tibetischen Mandalas verglichen werden. Innerhalb der kreuzförmig angelegten Kreisformen, die untereinander verbunden sind, breitet sich ein Puzzle von geometrischen Formen aus, die in flaschengrün, orange, blau, rot und braun leuchten.

Während Richard Franciscos Mandalas zwischen Op- und Pop-Art oszillieren, lotet Joseph Egan in seinen Arbeiten den ganzen Bereich zwischen Malerei und Skulptur aus und setzt nebenbei punktuell kunsthistorische Bezüge. So etwa in den waagrecht und senkrecht angeordneten, schwarz bemalten Hölzer in «Offspring», welche die Bildfläche auffächern oder in «Serenade» mit einem Doppelfenster vor schwarzem Hintergrund (oder sind es die Gesetzestafeln von Moses?), welches den Blick in eine andere Dimension zu führen scheint. Untermalt sind die meisten Werke Egans von der leisen Melodie der Pastellfarben, welche von einer Sehnsucht nach Harmonie und ungebrochener Existenz spricht.

Bis 
04.02.2005

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