«La bibliothèque Gérard Nordmann» in der Fondation Bodmer

Hinweis

«La bibliothèque Gérard Nordmann» in der Fondation Bodmer

Als in der Nacht vom 3. auf den 4. Juli 1789, zehn Tage vor dem Sturm auf die Bastille, der Häftling Donatien de Sade vom berüchtigten Pariser Staatsgefängnis nach Charenton verlegt wurde, blieb in der Zelle versteckt ein Manuskript zurück, das den Marquis später weltberühmt machen wird: «120 journées de Sodome, ou L?école du libertinage» wurde zwar gerettet, blieb aber bis ans Ende des 19. Jahrhunderts verschollen. Die mit winziger Schrift beidseitig eng beschriebene über 12 Meter lange, schmale Rolle kann derzeit zum ersten Mal öffentlich in der Fondation Bodmer bewundert werden. Sie gehört zur Bibliothek des Genfers Gérard Nordmann (1930?1992), eine der bedeutendsten Sammlungen erotischer Literatur. Aus dem Bestand von rund zweitausend Büchern, Manuskripten, Briefen, Dokumenten und Curiosa wurden 137 Exponate ausgewählt und in einem Katalog ausführlich dokumentiert, darunter noch eine andere Rarität, die lange verbotenen «Sonnetti lussuriosi» von Pietro Aretino und zwar die einzige bekannte Ausgabe aus dem 16. Jahrhundert mit Holzschnitten nach Giulio Romano. Ein weiterer Höhepunkt sind die «Tableaux des m?urs du temps dans les différens âges de la vie» von Alexandre-Jean-Joseph Le Riche de la Popelinière (1693-1762) mit zwanzig höfisch-erotischen Illustrationen. Umso derber wirken die Pamphlete, die während der französischen Revolution die angeblichen Ausschweifungen der Königin Marie-Antoinette anprangern. Unter den Werken aus dem 20. Jahrhundert sticht eine Serie von kleinen Radierungen hervor, die Antonio Saura inspiriert von alten pornografischen Fotos («conservées avec amour dans de très secrètes archives») zu Texten von Fernando Arrabal geschaffen hat.

Bis 
26.03.2005

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