«Ralentir vite» im Plateau

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«Ralentir vite» im Plateau

Sie macht es sich vorderhand leicht, die neue Direktorin des alternativen Kunst-Ortes «Le Plateau» im Pariser Osten. Caroline Bourgeois, Spezialistin für Video-Kunst, nimmt einen Diskurs auf, der in Frankreich seit einiger Zeit mit wachsender Begeisterung geführt wird. Er richtet sich gegen die «Verschleunigung» der Wahrnehmung und fordert eine Ästhetik der Langsamkeit, der Reflexion und des visuellen wie intellektuellen Genusses. Mit der Lyon-Biennale 2003 wollte schon die verantwortliche Kuratorengruppe «Le Consortium» zeigen, was «morgen geschehen war». Solche Sensibilisierung für die Vergangenheit des Zukünftigen oder, mit Blick auf den Kunstmarkt, für die Halbwertszeit des Neuen, gelingt oft nur teilweise. Denn bei aller Gegenwehr gegen das «Ultrakontemporäre» und besonders die angelsächsische «exhibition», also das blosse, präsentierende Ausstellen von Kunst, entgeht man nicht der Dynamik des Kunstbetriebes. Gezeigt werden oft eben doch gerade gängige Lieblingskünstler oder strategisch wichtige Namen, die das Publikum locken sollen. All das zugestanden ist Bourgeois, die Ende 2003 das Pariser Publikum an die hier viel zu lange ignorierte Valie Export heranführte (zuletzt im MAMCO, Genf zu sehen), allerdings ein schöner Auftakt gelungen. Mit einigen erstmals in Frankreich gezeigten Arbeiten ist ein Parcours entstanden, der das Bilder-Bremsen lehrt. Man spürt, wie erfahren im internationalen Video-Schaffen ausgewählt wurde, um zum lustvollen Warten einzuladen. Das gilt für die poetische Installation «Petite» von Dominique Gonzales-Foerster. Es gilt auch für das Dosen-Kick-Video «Phat free» von David Hammons oder, gleich am Eingang, nachdem man den Doppelspiegel namens «Orpheus, twice» von Felix Gonzales-Torres passiert hat, für Bruce Naumans unendlich langsamen Atelier-Film aus Neu-Mexiko. Sie alle regen mit der unerträglichen Langsamkeit des Videos zum Nachdenken über Bilder und deren Dauer an. Caroline Bourgeois lässt mit ihrem Erstling in dem engagierten, doch in der Vergangenheit oft zu regionalen Ausstellungsraum «Le Plateau» den Wind internationaler Bilderpoesie wehen. Man darf gespannt sein, wie dieser in Zukunft dem Publikum ins Gesicht blasen wird.

Bis 
19.02.2005

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