Zürich «Parkett - 20 Years of Artists' Collaborations» im Kunsthaus

Blick ins «Badezimmer» der Parkett-Ausstellung, Kunsthaus Zürich, 2004/2005, Foto: Arthur Faust, © Kunsthaus Zürich

Blick ins «Badezimmer» der Parkett-Ausstellung, Kunsthaus Zürich, 2004/2005, Foto: Arthur Faust, © Kunsthaus Zürich

Besprechung

Das Kunsthaus Zürich ehrt das zwanzigjährige Bestehen der renommierten Kunstzeitschrift «Parkett» mit der integral gezeigten Sammlung von 150 Werken der seit 1984 erschienenen Künstlereditionen.

Zürich «Parkett - 20 Years of Artists' Collaborations» im Kunsthaus

Was Parkett aus der Flut von Kunstzeitschriften auszeichnet, ist die enge Zusammenarbeit zwischen der Redaktion und den KünstlerInnen. Frucht dieser jeweiligen «Collaboration» sind Originale, die eigens für jede Parkett-Nr. entworfen werden und pro Band in nummerierten und signierten Auflagen von 60 bis 80 Exemplaren produziert werden. Für die Künstler bedeutet eine solche Zusammenarbeit meist eine Herausforderung, müssen sie doch neue formale Lösungen für die jeweilige Vorzugsausgabe gestalten. Zudem ist die Realisierung vielfach mit hohem technischem Aufwand verbunden. Diese als Editionen bezeichneten Künstlerbeiträge waren von Anfang an für Privatsammler mit kleinem Budget gedacht. Dass nun diese Editionen im Wert enorm gestiegen sind, hat nicht nur mit dem überhitzten Kunstmarkt zu tun, sondern auch mit der Qualität von «Parkett» und seinem bedeutenden Einfluss auf die Kunstrezeption und -entwicklung. In der Ausstellung vermittelt eine grosse Pinwand einen Eindruck des Alltags der «Parkett»-Produktion, und im Katalog erzählen die ParkettgründerInnen Bice Curiger, Jacqueline Burckhardt und Dieter von Graffenried aus der bewegten Geschichte von «Parkett». Neben ihnen gehörten noch Peter Blum und Walter Keller zum Gründungsteam. Sie alle waren in der Aufbruchzeit der achtziger Jahre von der Idee beflügelt, aus der fast provinziellen Enge der Zürcher Kunstszene auszubrechen und einen Brückenschlag mit amerikanischen Künstlern herzustellen. Sie wollten Kanäle schaffen, wo junge Kunst nicht nur diskutiert und Künstler vorgestellt, sondern mit ihnen eben Originalbeiträge entwickelt werden konnten. Ein Konzept, das sich optimal bewährt hat. Was allerdings wäre ein solches Konzept ohne sein adäquates Gefäss? Es ist unverkennbar in seinem Erscheinungsbild, seinem gestalterischen Konzept und seiner erlesenen Typographie, die von Trix Wetter gestaltet worden sind. Nach der schönen Präsentation der Parkett-Collaborations im Mai/Juni 2001 im New Yorker Museum of Modern Art in einer Art privatem Wohnzimmer verlangte die Inszenierung in Zürich ebenfalls nach einem besonderen Caché. Dies gelang der Design-Klasse der Hochschule für Gestaltung und Kunst, Zürich, die unter Aufsicht des Schweizer Designers Alfredo Häberli ein «Musée en Appartement», entworfen hat, und das nun in die bestehende Sammlung integriert ist. Es bereitet Vergnügen durch dieses Wundertütenkabinett zu schlendern: Im «Badezimmer» auf Damien Hirsts Ping-Pong-Ball über laufendem Fön zu stossen, im «Schlafzimmer» auf ein an einer Kleiderbüste hängendes Herrenhemd, auf dessen Rückseite eine Reproduktion des Bildes «Silence» von Luc Tuymans gestickt ist, oder sich auszumalen, wie einem John Bocks Unikat-Unterhose mit herunterhängendem Hasenkötel stehen würde, während Bruce Naumanns Video, das Szenen eines sich prügelnden und piesackenden Paars im Endlosloop wiedergibt, wohl bei allen einen Déjà-vu-et-vécu-Effekt auslöst. Viele Werke sind sehr substanziell, viele oszillieren zwischen Kunst und Alltag, während manche auch trendig sind; summa summarum widerspiegeln sie die subjektive Wahl der Redaktorinnen. Jedenfalls ist es der Initiative dieser beiden Frauen zu verdanken, dass sich «Parkett» im Laufe der beiden letzten Jahrzehnte zu einer Art Museum in Printform gemausert hat. Katalog.

Bis 
12.02.2005

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