Olafur Eliasson im Kunsthaus

Olafur Eliasson · The Body as Brain, 2005, Projekt Sammlung (3)

Olafur Eliasson · The Body as Brain, 2005, Projekt Sammlung (3)

Besprechung

Wie wird Natur Kultur? Diese Frage hat KünstlerInnen seit jeher fasziniert. Nun hat Olafur Eliasson im Kunsthaus Zug mit "The Body as Brain" eine radikal einfache Versuchsanordnung dafür ausgelegt: Er hat einen Fluss durchs Museum geleitet.

Olafur Eliasson im Kunsthaus

Die Fortsetzung der kleinen Wassermusik findet sich im und oberhalb des Museums. Über eine Pumpstation wurde offenbar ein Teil des Flusswassers abgepumpt und über eine V-förmige Rinne durchs Museum geleitet. Wie ein silbernes Band zieht sich dieses durch den Garten und die Säle, mal auf Augen-, mal auf Bodenhöhe, mal wandert man unter dem Gerüst durch, mal steigt man darüber. Die Wahrnehmung des gurgelnden, glitzernden Elements verändert sich laufend. Und glaubt man, sich daran satt gesehen zu haben, so erscheint dieses als flirrender Lichtstreifen wie mit zitternder Hand auf die Wand gemalt.

So simpel die Idee auch ist, die Umsetzung erwies sich als komplex: So gab es beispielsweise Restwasservorschriften, bürokratische, bauliche und versicherungstechnische Vorgaben zu beachten. Dass die Ausstellung dennoch in nur drei Wochen realisiert werden konnte, spricht für die Professionalität des Künstlers, aber auch von Matthias Haldemann, dem Leiter des Kunsthaus Zug. Dass es ihm gelungen ist, Eliasson bereits für die zweite Präsentation nach Zug zu locken, ist nicht selbstverständlich, gehört dieser doch spätestens seit seiner glühenden Sonne in der Tate Modern 2003, mit welcher er drei Millionen Besucher in Bann geschlagen hatte, zu den gefragtesten Künstlern unserer Zeit.

Wie kaum ein anderer schafft es Olafur Eliasson, komplexe Naturphänomene mit einfachen technischen Mitteln zu erzeugen und als primäre Erfahrungen wieder in frischer Intensität nachvollziehbar werden zu lassen. Eine Glühbirne und ein Gartenschlauch genügten ihm beispielsweise bereits 1993, um einen Regenbogen und damit ein Bild von "Schönheit" schlechthin zu erzeugen. Für seine Recherchen kann Eliasson mittlerweile auf einen grossen Kreis von wissenschaftlichen Mitarbeitern zurückgreifen. So ist auch die Projektion in Zug das Resultat einer Reihe von Experimenten mit natürlichen und künstlichen Oberflächenstrukturen.

Es ist diese Mischung zwischen Tüftlertum und wissenschaftlicher Genauigkeit, welche die einzigartige Anziehung von Olafur Eliassons Werken ausmacht. Dieser ist es zu verdanken, dass wir uns in seinen phänomenologischen Versuchsanordnungen sowohl mit unseren träumerisch visionären als auch unseren rationalen Seiten aufgehoben fühlen. So wird aus einem kaum beachteten Flüsschen plötzlich ein hypnotisches, hochpoetisches Bild, an welchem sich die verschiedensten Gedanken aus dem Leben in die Phantasie und wieder zurückranken können - eine gelungene Transformation von greifbarer Natur zu schwebender Geisteskultur.

Bis 
18.03.2006

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