Aller/Retour 3 - peintures im Centre culturel suisse

Olivier Mosset · Red Cross, 1990, Öl auf Leinwand, Privatsammlung, Courtesy Susanna Kulli im Foyer der Ausstellung «peintures», CCSP, Paris 2006, Foto: texte&tendenzen

Olivier Mosset · Red Cross, 1990, Öl auf Leinwand, Privatsammlung, Courtesy Susanna Kulli im Foyer der Ausstellung «peintures», CCSP, Paris 2006, Foto: texte&tendenzen

Besprechung

In Paris eine Ausstellung zur Malerei zu realisieren, ist gewagt. Nirgendwo sonst ist Malerei so vielfältig. Und so geschichtsbelastet. Michel Ritter geht nun noch einen Schritt weiter: Er zeigt aktuelle geometrische Malerei - und deren Vorbilder. Eine der besten unter den vorweihnachtlichen Ausstellungen

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Moderne ohne Ende: Rekordpreise für Art Nouveau, Walter Benjamin ist wieder in und das Centre Pompidou bringt eine unüberschaubare dAdA-Ausstellung - man wird nicht fertig mit der Moderne. «Shaking Smooth Spaces», veranstaltet vom Künstler-Kollektiv «haptic» in «La Générale», zeigte im Dezember jüngste Installationen, die offen mit Surrealismus (Anthea Hamilton) oder Kubismus spielen (Robin Kirsten). Doch trotz Grossausstellun-gen wie «Burgeoning Geometries» im Whitney Museum for American Art: ein Wiederaufkeimen der geometrisch-konstruktiven Malerei steht aus. Zu gern badet man noch, auch und gerade in Paris, im Griffig-Figurativen und in den Mythen der Leipziger Schule. Willkommen gewagt widmet das Centre Culturel Suisse den dritten Teil seiner Hin- und Rückfahrten in die Geschichte der Kunst der geometrischen Malerei. «Ausgangspunkt für die Ausstellung war das Werk von Richard Paul Lohse», erklärt Kokurator Nicolas Trembley. Die «Zwei Gruppen aus Extremkontrasten mit blaugrünroter Diagonale», 1960/78, aus Privatbesitz sind Gravitationspunkte der Ausstellung. «Try», 2006, von François Baudevin, tritt mit ihnen in einen Dialog, führt den Versuch fort, mit Malerei «auf optische Weise den Gedanken zu verwirklichen», wie Theo van Doesburg 1930 im Manifest der art concret schrieb. Das tut gut, vermisst man konzises Denken doch oft in Pariser Malerei-Ausstellungen. Robert Fleck fragte gar unlängst: «Fehlt der zeitgenössischen Malerei die Theorie?» Die kleine, subjektiv ausgewählte und vielleicht gerade deshalb so gute Schau im CCSP bietet genügend Ansätze. Und die kommen aus der Malerei selbst. Eigens erstellte Arbeiten jüngerer Künstler wie Philippe Decrauzat oder Stéphane Dafflon treten mit jenen in Beziehung, die zu Unrecht vergessen sind. Verena Loewensberg zum Beispiel oder Luigi Lurati, auf den die Kuratoren in Gesprächen mit den eingeladenen Künstlern stiessen. Historizität ist Leitthema der Moderne. In Luratis «West-End» von 1966 wird sie geradezu greifbar, noch unterstrichen durch Christoph Gossweilers perspektivierende Dreiecke, 2006. Traditionslinien habe man zeigen wollen, so Trembley, die vielfach in die Schweiz führen. Olivier Mossets grosse rote Leinwand in gekippter Kreuzform stellt auch das Logo des CCSP dar. Übrigens bleibt die Figuration nicht unerwähnt: Im «Project Room» werden nacheinander Andro Wekua, Armen Eloyan und David Chieppo gezeigt. Fast ein Epilog.

Bis 
10.03.2007

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