Cindy Sherman im Kunsthaus

Cindy Sherman · Untitled # 425, 2004, Farbfotografie, Auflage: 6 Stück
179,1 x 227,3 cm, © Cindy Sherman

Cindy Sherman · Untitled # 425, 2004, Farbfotografie, Auflage: 6 Stück
179,1 x 227,3 cm, © Cindy Sherman

Hinweis

Cindy Sherman im Kunsthaus

Seit drei Jahrzehnten betreibt Cindy Sherman die Verwandlung der eigenen Person in inszenierten Fotografien. In Bregenz sind in der mit dem Jeu de Paume, Paris, koproduzierten Ausstellung alle wichtigen Serien beieinander. Das gibt einen überwältigenden Blick auf das herausragende Werk einer Künstlerin, welche das vielschichtige Bild weiblicher Rollen mit sparsamsten Mitteln zu erfassen weiss. Die über vier Stockwerke in den grossen offenen Räumen verteilte Präsentation ermöglicht, Querbezüge zwischen den verschiedenen Serien herzustellen und gleichzeitig die konsequente konzeptuelle Entwicklung zu erkennen. Die frühen kleinformatigen Schwarz-Weiss-Fotografien von 1975, die noch vor den «Untitled Film Stills» während der Malereiausbildung an der Buffalo Art School entstanden, zeigen in ihrer clownesken Darstellung überraschende Nähe zu den jüngsten, grossen und grellen Inszenierungen als Clown. Das ganze Spektrum an Groteskem ist in den Anfängen bereits angelegt. Mit den «Centerfolds/Horizontals», 1981, einer Auftragsarbeit für Artforum, die jedoch nie erschienen ist, zeigt Cindy Sherman Frauen in aufrüttelnder Handlungsunfähigkeit. Eine ganze Ebene vereint die desolaten Abgründe, das Dunkle und Grausame in Serien wie «Fairy Tales», «Disasters», «Civil War» oder «Sex Pictures». Die Körper lösen sich auf oder zerbrechen in Einzelteile. Der Voyeurismus wird parodiert. Entsetzen, Ekel, Schwere breiten sich aus, geschnürt mit dem Silberfaden des Humors. Auch der schmucke Werkblock der «History Portraits/Old Masters», die im Echoraum von Caravaggio und Ingres das Thema des missbräuchlichen Umgangs mit Sexualität durch Repräsentation zu ersetzen scheinen, beruhigen nur oberflächlich. Es gibt keine Nacktfotos - Brüste und Geschlechtsteil sind jeweils Prothesen, oder die Künstlerin setzt Puppen ein. Doch die Entblössungen sind erschütternd. Schminke, Masken und Mimik bringen den Menschen mit all seinen zerklüfteten Identitäten an den Tag.

Bis 
27.01.2007
Künstler/innen
Cindy Sherman

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