Hans Stalder in der Galerie Friedrich

Hans Stalder · Spatz, 2006, Öl auf Leinwand, 65 x 65 cm

Hans Stalder · Spatz, 2006, Öl auf Leinwand, 65 x 65 cm

Besprechung

Hans Stalder gibt sein Debüt in der Galerie Friedrich mit einer Reihe von Malereien aus den Jahren 2003 bis 2006, die eine sehr persönliche Nachbearbeitung von Pop verraten. Porträts, Selbstporträts, Singvögel und Blumen: Die Motive verbinden Bilder zu Serien, und doch bleibt jedes Werk singulär.

Hans Stalder in der Galerie Friedrich

Während dem längeren Prozess des Malens ereignen sich bei Hans Stalder verschiedene, oft auch unerwartete Dinge, die schliesslich in der Selbstverständlichkeit einer klaren Bildentscheidung aufgehoben sind - nur um nach längerem Sehen umso nachhaltiger wieder zu verunsichern. Hans Stalders Malerei ist populär. Immerhin verbreiten sich seine Porträts und Zeichnungen auf den CD-Covers und Buchdeckeln von Endo Anaconda wie «Stille Hasen» im Land. Die üppig gefüllten Bildausschnitte seiner «Pensées» lassen entfernt noch an die Samenbriefchen aus dem Gartencenter denken, aus denen sie ursprünglich entwickelt wurden; mit Anspielungen auf Bubbles und Balken schleichen sich Formen aus dem Graphic Design ins Bild.

Diese direkte Bildsprache ist mehr als eine Maskerade. Klare Konturen und satte Farben bilden ein rasch erkennbares Raster, um die Wirkung hintergründiger Abweichungen zu steigern: Vif guckt der Spatz von seinem Zweig ins Bild, als wäre er eben erst gelandet oder würde gleich wieder wegfliegen. Dieser flüchtige Moment wird festgehalten in einer Malerei, die den Vogel fixiert und ihm einen Augenblick Ewigkeit abverlangt. Festgehalten werden aber auch kleine Unschärfen im Zweig und seinen stilisierten Früchten. Unvermittelt wird hier die Kontinuität der Wahrnehmung gebrochen, wird unser Blick ins Spiel gebracht und die Erwartung einer einfachen Präsenz, die ihn leitet. Wir können dieses Bild nicht sehen, ohne es auch zu verlieren. Und hier wird das Heimelige auf einmal abgründig. Den Überblick über die hybride Wirklichkeit bewahrt nicht der Spatz, nur die Malerei, die ihre Diskontinuitäten offenlegt.

Verbindungen in einer Ausstellung von Hans Stalder sind nicht allein nach Motiven, sondern auch nach strukturellen Verwandtschaften möglich. So findet sich in Basel ein Querformat aus der Reihe der «Pensées», dessen Blütenformen wie eine Wolke ins Bild ziehen, als müssten sie es rasch wieder verlassen, als wäre die gezackte Sprechblase nur für einen lauten schrillen Einwurf gefüllt, als hätte ein burleskes Organ seinen Körper verloren und bliebe dem analytischen Blick schutzlos ausgesetzt. Diese eigentümliche mentale Landschaft erzählt eine ähnliche Geschichte wie der Vogel: eine Geschichte über die Malerei, die inzwischen wohl alle ihre Möglichkeiten kennt und auf einer Fläche miteinander konfrontieren kann, um einer brüchigen Welt stehende Bilder zu zeigen.

Bis 
25.01.2007
Autor/innen
Hans Rudolf Reust
Künstler/innen
Hans Stalder

Werbung