Kunst entlang der Strassenbahnlinie

Kunst am Bau

Kunst entlang der Strassenbahnlinie

«Die Tramway, schön auf ganzer Linie» lautet der Beitrag von Alfred Peter in einem vom französischen Kulturministerium 2004 verlegten Bändchen, das sich der Frage widmet, wie man die Stadt von der zeitgenössischen Kunst her neu denken kann. Problematisch: Kunst im öffentlichen Raum, entlang der Strassenbahn, dient der Dekoration - und erzeugt eine Linearität, die im Einzelfall dem Werk entgegenläuft. Zugleich entstehen gerade in Transiträumen immer wieder höchst wirksame Arbeiten. Man denke nur an Yinka Shonibares Serie «Diary of a Victorian Dandy» in der Londoner Subway. Bis 8.1. wurden diese Grossformat-Fotos als Frontispiz vor der Hogarth-Ausstellung im Louvre gezeigt. Ab Mitte Dezember wird man im Aussenraum, entlang der neuen Tramway auf dem östlichen «Boulevard Marechaux», dem Innenring um Paris, neun Kunstwerke bestaunen können. Christian Boltanskis Klanginstallation, Didier Fiuza Faustinos 17 m hohes 1-qm-Haus, Dan Grahams Spiegelungen, Sophie Calles Telefonzelle in Frank O. Gehrys Papierblume, Peter Koglers Ameisenmarsch und Werke von Angela Bulloch, Bertrand Lavier und Claude Lévêque zeigen: hier geht es um Repräsentation mit ausgezeichneter, arrivierter Kunst. Keine Chance für Newcomer ist auch in Bordeaux zu verzeichnen. Dort wurde ebenfalls zur Einweihung der neuen, oberleitungsfreien Trams seit Ende 2003 Kunst in die Stadt gestellt: ein T, das Tramfahrten zählt vom Marcel-Duchamp-Preisträger Claude Closky, oder zuletzt ein grosser facettierter Löwe von Xavier Veilhan. Spannender als diese dekorativ-repräsentativen Stadtmöblierungen sind Projekte wie die der «galerie extérieure», (zu sehen unter www.lagaleriexterieure.com) die in Paris an wechselnden Orten im Aussenraum Kunst zeigt. Die Interventionen sind bisweilen zurückhaltend, stellen aber immer eine Sehblockade her und erreichen, was man von Kunst im öffentlichen Raum erwartet: die Unterbrechung des eingleisigen Sehverkehrs.

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