Dan Perjovschi und Nedko Solakov im BA-CA Kunstforum

DAN PERJOVSCHI · Moscow, 2007, Zeichnung auf Fenster, Ausstellungsansicht: Dan Perjovschi & Nedko Solakov: Walls & Floor (without the Ceiling), BA-CA Kunstforum, Wien

DAN PERJOVSCHI · Moscow, 2007, Zeichnung auf Fenster, Ausstellungsansicht: Dan Perjovschi & Nedko Solakov: Walls & Floor (without the Ceiling), BA-CA Kunstforum, Wien

Hinweis

Dan Perjovschi und Nedko Solakov im BA-CA Kunstforum

Im ehemaligen Tresorraum einer Wiener Bank haben Dan Perjovschi und Nedko Solakov eine Mini-Gruppenausstellung realisiert, die beide als Zeichner von ephemeren und skurrilen Comics zeigt. Solakov platzierte seine winzigen Figürchen und Texte auf den vier Wänden des unterirdischen Raumes, während Perjovschi sich ganz dem Boden widmete.
Wenn westliche Künstler sich über Vermarktungsmechanismen und ausbeuterische Kunstsysteme äussern, geschieht dies immer vor einem ganz anderen Hintergrund als wenn dies jemand tut, in dessen Land es diese Strukturen kaum gibt. Dan Perjovschi (*1961) lebt in Bukarest und hat in den vergangenen 15 Jahren eine auch für westliche Verhältnisse erstaunliche Karriere absolviert. Perjovschi wird sicherlich gerade dafür geliebt, dass er dem Kunstbetrieb immer wieder einen Spiegel vorhält. Seinen Zeichnungsstil hat er auf einfache Striche von hohem Wiedererkennungswert reduziert, dem sowohl etwas Skizzenhaftes eignet, aus dem aber oft auch geradezu ikonische Bildschöpfungen resultieren: EU-Sterne, verstärkt durch lange Spitzen, «Fortress Europe», oder ein Mensch, dessen Kopf genauso flach ist, wie das Computerboard, an dem er sitzt. Auf dem schwarz gestrichenen Boden des Ausstellungsraums sind Perjovschis Zeich-nungen und Texte mit Gold- oder Bronzemarker direkt auf den Boden aufgetragen, ein feiner Hinweis auf den Genius des Raumes, und irgendwo steht auch «Tresor me» geschrieben.
Als Pendant dazu arbeitete der bulgarische Künstler Nedko Solakov (*1957) direkt mit der weissen Mauer, indem er den groben Verputz für seine Kommentare nutzte: Er zeichnete mikroskopisch kleine Figürchen, die ein eigenes Leben dieser Wände lakonisch kommentieren und beschrieb sie mit kleinen Geschichten einer situationsgebundenen Komik, die ebenso auf osteuropäische Traditionen referiert, wie auf den schwarzen Humor einer surrealistischen Avantgarde. Die In-Situ-Coproduktion ist dem Kulturkontakt Austria zu verdanken, einer Initiative, die schon Anfang der 1990er Jahre erste Austauschprojekte mit beiden Künstlern organisiert hat. Der an sich leere Ausstellungsraum bietet bei guter Besucherfrequenz ein schönes Szenogramm, das ins Konzept von zwei sich selbst reflektierenden Künstlern passt: So kleben die einen Besucher mit ihrer Nase an der Wand, die anderen wandern gebückt über den Boden, weil anders die ephemeren «Exponate» gar nicht betrachtet werden könnten.

Bis 
02.02.2008

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