Eva Grubinger in der Schirn

EVA GRUBINGER · Spartacus, 2007, © Pro Litteris, Zürich

EVA GRUBINGER · Spartacus, 2007, © Pro Litteris, Zürich

Besprechung

Ein weisser, kahler Raum. Darin ein einzelner Scheinwerfer auf metallenem Stativ, dessen grelles Licht die Augen blendet; gebrochen allein durch den Maschendrahtzaun. Bis hierher und nicht weiter: Deutlicher lässt sich die Geste der Abweisung kaum formulieren.

Eva Grubinger in der Schirn

Aber wer mit ihr konfrontiert wird, hat bereits einen «Rite de Passage» durchlaufen, dessen dritte und letzte Station nurmehr endgültig zu bestätigen scheint, was die voraus gegangenen lehren. Kurz zuvor stand man in luftiger Höhe vor der schmalen Passage, die den «Tisch»-Anbau der Schirn mit der eben erklommenen Aussentreppe verbindet; Aug in Auge mit zwei Metalltribünen, rings übermannshoch umzäunt, dahinter ein gleissend heller Strahler. Direkte Konfrontation und Ausschluss auch hier.
Eingestimmt auf den Kurs, auf den Eva Grubinger uns in ihrer Installation «Spartacus» schickt, wird man bereits, wenn man sich der Kunsthalle nähert: Denn die Rotunde, die sonst frei durchschritten werden kann, ist ebenfalls mit jenem schwarz lackierten Maschendraht verriegelt, der sich dann als Konstante durch die ganze Ausstellung zieht; das Zentrum beherrscht ein düsterer Wachturm, mit schlichter Form und makelloser Oberfläche auch er umso abweisender.
Es liegt nahe an Jeremy Benthams Panoptikum zu denken - jene Modellarchitektur der totalen Überwachung, anhand derer Michel Foucault seine Überlegungen zur Formierung des modernen Subjekts durch entsprechende «Dispositive der Macht» entwickelt hat: Bauten, die einschüchtern, ausgrenzen, kontrollieren.
In jüngerer Zeit sind solche Mechanismen zunehmend subtiler geworden, mitunter sogar unsichtbar: Versteckte Kameras und Satelliten, elektronische Fussfesseln für den Freigang von Häftlingen und übers Netz sich auf der Festplatte installierende Programme, die als «Bundestrojaner» ins traute Heim der BürgerInnen vordringen.
Doch wie ist vor diesem Hintergrund Grubingers Referenz auf die traditionellen Architekturen von Macht, Ausschluss und Kontrolle einerseits und andererseits auf Spartacus zu verstehen - jenen römischen Sklaven im Aufstand gegen die Unterdrückung, der in der jüngeren Geschichte vom Marxismus zum Helden erkoren wurde?
Falls erstere auf den Handlungsraum der Kunst verweist, der zunächst ein symbolischer ist, dann mag dies auch in Hinblick auf den Titel gelten: Während der historische Spartacus scheiterte, war ihm als Symbol- und Kunstfigur ein wesentlich längerer Atem beschert. Freilich wird Spartacus auch folgender Satz zugeschrieben: «Man darf das Leben nicht für Schauspiele einsetzen, sondern [nur] für die Freiheit.» Was hiesse das eigentlich für die Politik der Kunst?
Vielleicht ist Grubingers Antwort dort zu finden, wo ihre Installation sich am weitesten in den Raum der Institution integriert: Hier geht es ganz sicher nicht weiter - das grelle Scheinwerferlicht blendet und wirft uns auf uns selbst zurück. Und siehe da, nebenan öffnet sich eine Tür, durch die man von oben in die Rotunde schauen kann. Unten in seinem Käfig duckt sich der Wachturm, wie ein jämmerliches, einsames Tier.

Bis 
06.02.2008
Institutionenabsteigend sortieren Land Ort
Schirn Kunsthalle Deutschland Frankfurt/M
Künstler/innen
Eva Grubinger
Autor/innen
Verena Kuni

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