Victor Burgin im Mamco

VICTOR BURGIN · La Cinquième Promenade, 2007

VICTOR BURGIN · La Cinquième Promenade, 2007

Besprechung

Der Engländer Victor Burgin (*1941) hatte schon eine längere Karriere
als Konzeptkünstler hinter sich, als er 1993 begann, erste Videos zu produzieren. Als Schweizer Premiere ist dieses filmische Werk nun zusammen mit vier früheren Fotoserien im Genfer Mamco in einer grosszügig präsentierten Schau zu entdecken.

Victor Burgin im Mamco

Es herrscht eine beinahe andächtige Stimmung in den grossen abgedunkelten Sälen des zweiten Stockwerks. Ohne die sonst obligaten schwarzen Vorhänge kann man ungehindert von Video zu Video schreiten, gemächlich - ganz dem ruhigen Rhythmus der Filme folgend. Burgin hat die Präzision seiner früheren konzeptuellen Arbeiten, die sich mit dem Verhältnis von Wort und Bild beschäftigen, ins Medium Film übertragen. Er stützt sich dabei auf zwei Prinzipien: Wenn das Bild in Bewegung ist, bleibt die Kamera fix an einem Ort, ist dagegen das Bild statisch, bewegt sich die Kamera. Denn er arbeitet häufig mit Fotos, die er im Travelling-Verfahren zu einem Panorama zusammenfügt. Das Reisen in seinen verschiedensten Formen -von Ort zu Ort, in der Erinnerung oder als fiktive Reise im Film und der Literatur - ist Burgins Leitmotiv. In «Venise», 1993, sind es die Bilder, die sich zwischen Marseille und San Francisco hin- und her bewegen, in «Listen to Britain», 2002, lässt der Künstler nach der Rückkehr aus seinem freiwilligen Exil in Amerika von einem Zugfenster aus die vertraute Landschaft zwischen London und Bristol vorbeiziehen.Sein bislang letztes Werk «La Cinquième Promenade», 2007, das Burgin in Hinblick auf die Genfer Ausstellung geschaffen hat, folgt den Spuren Jean-Jacques Rousseaus auf der Petersinsel. Der Titel des Videos stammt aus «Les rêveries du promeneur solitaire» des berühmten Genfers. In sieben Sequenzen wird die magische Landschaft eingefangen, vom Schilf am See, das man bald leise, bald stürmisch rauschen hört, zu einem Weg hin zu einer grossen Pappel, in den moosigen Wald und zurück ans Ufer, wo eine Frau sitzt und übers Wasser blickt. Die Frau auf der Insel verknüpft Burgin mit dem genialen Roman «Morels Erfindung» (1940) des argentinischen Schriftstellers Adolfo Bioy Casares, in dem ein Schiffbrüchiger sich auf einer einsamen Insel in eine Frau verliebt, die sich jedoch eines Tages als eine gefilmte Projektion entpuppt. Kurze Texte aus dem Buch hängen gerahmt an einer Wand dem Video gegenüber. Tatsächlich endet die lange Assoziationskette in Genf, nicht weit weg vom Mamco, im alten Cimetière des Rois, wo Bioy Casares' enger Freund Jorge Luis Borges begraben liegt.

Bis 
26.01.2008
Künstler/innen
Victor Burgin
Autor/innen
Marguerite Menz

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