Nina Childress

Nina Childress · Dead Pianist, 2008, Öl auf Leinwand, 150 x 150 cm

Nina Childress · Dead Pianist, 2008, Öl auf Leinwand, 150 x 150 cm

Hinweis

Nina Childress

Zwischen einem eklektizistischen Innenraumdekor der Sechziger und dem Schwarzweissbild eines bourgeoisen Interieurs sehen wir jene Szene aus Tschaikowskis «Eugen Onegin», in der Tatjana den einst so heiss begehrten Geliebten zurückweist. Aus dem Hintergrund klingt reduziert «l'air de Tatjana». Grosse Gefühle, im Kontrast der Innenräume zur bildhaften Assonanz vergangener Gefühlswerte montiert. Das Triptychon «les couleurs éclatantes, vous devez renoncer à ?, la salle à manger», 2006, ist Zentrum der ersten Einzelausstellung von Nina Childress in der Galerie Bernard Jordan. «In der ganzen Ausstellung geht es um Musik, um die Tonalität der Malerei», sagt sie, «ein Akkord aus Ton und Farbe.» Kein Zusammenklang, ein von fern aufgerufener Ton, der geisterhaft das Wohlbekannte als längst Vergessenes erscheinen lässt. Die 47-jährige Wahl-Pariserin ist im Wortsinn «gegenständliche» Malerin, eine Malerin der Kontraste. Anders als eine «figuration objectée», die aktuell in Frankreich die Erwiderung des Figürlichen, den Widerstand der Figur bearbeitet, interessiert Childress, was im Gegeneinanderstehen hervortritt. Beeinflusst von Punk oder Konzeptkunst, recycelt die gebürtige Amerikanerin in ihren kontraststarken Gemälden das kollektive Imaginarium der Moderne. Bilder als Wiedergänger - in den kleinformatigen «extraits Scala», nach einer Ansichtskarte, die schon Richard Hamilton 1968 als Werkvorlage diente, ragen die Figuren im Gemälde geisterhaft aus dem Jenseits der Bilder ins Bewusstsein einer post-histoire; seltsam vertraut, ungreifbar entrückt. Auch Childress' Themen entstammen dem Kontrast: Mythen, Obsessionen, das Unheimliche, die Leidenschaft. Haare beschäftigen sie als symbolische wie malerische Herausforderung seit 1997, aktuell arbeitet sie an einer Reihe von Selbstporträts als Simone de Beauvoir. «Ein grosser Vorteil der Malerei ist ihre Illusion von Tiefe, ihre «opticalité»», sagt sie mit Verweis auf eine aktuelle Leinwand, eine Landschaft, gemalt nach einer fotografischen Abbildung, projiziert mit dem Episkop. Durch Unschärfe, das «flounet», das sie seit 2003 systematisch mit ihrer Malerei auch technisch perfektioniert, spielt sie mit optischer Raumtiefe und gräbt zugleich in den (Un-)Tiefen der Bilder, lässt Stimmungen von Ferne widerhallen. Unheimlich sind die Bilder von Childress, Inszenierungen der Kunst nach dem «Ende der Kunst», wie es Hal Foster in «Design & Crime» am Beispiel von Rachel Whiteread beschrieben hat: «Sie erinnern an Minimal und Pop, aber sie verwandeln sie in Gespenster - Geister einer gesellschaftlichen Vergangenheit.»

Bis 
27.02.2009

Kommende Ausstellungen: FRAC Limousin, Limoges, 20.3.-13.6., und MAMCO, Genf

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Bernard Jordan Schweiz Zürich
Frac Limousin Frankreich Limoges
MAMCO Genève Schweiz Genève
Künstler/innen
Nina Childress
Autor/innen
J. Emil Sennewald

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