Gilgian Gelzer, Raúl Illarramendi

Gelzer · sans titre, 2016, Farbstift auf Papier, 140 x 110 cm © ProLitteris. Foto: A.Ricci

Illarramendi · EA n°220, 2017, Farbstift auf Leinwand, 230 x 370 x 3 cm

Hinweis

Gilgian Gelzer, Raúl Illarramendi

So trist die Stadt, so licht ihr Kunstzentrum. Wer die Fondation Fernet-Branca betritt - sie heisst nur wegen ihres Ortes so, dem alten Sitz der gleichnamigen Likörfirma -, wird von Grösse und Helligkeit der Ausstellungsräume geblendet. Ideal für das Werk des Malers und Zeichners Gilgian Gelzer (*1951, Bern). Der gebürtige Berner lebt seit Jahrzehnten in Paris, lehrte dort an der Kunsthochschule. Mit beachtlichen Ausstellungen, einzeln im Kunstmuseum Solothurn, kollektiv mit der Graphischen Sammlung ETH Zürich, erhielt er jüngst die angemessene Aufmerksamkeit. Gelzer versteht es, sich von den Linien ziehen zu lassen, die er zu Papier oder auf Leinwand bringt. Die Ausstellung vermittelt das, indem auf leuchtend-pulsierende Farbfelder, die teils mit Buntstift gehöht körperlich erscheinen, ein Raum voller Grafit-Zeichnungen folgt. Deren Linien sind nur dem wirr, der nicht die kompositorische Logik der Gemälde, nicht das Ringen am Übergang zwischen Fläche und Raum bemerkt. Mal zu kleinen Knäuelhaufen verdichtet, mal auf kleinformatigen Papieren ausgeführt, mal als dominant rote Fasersysteme in ihrer Körperlichkeit ausgespielt - Gelzer dekliniert sein Werk als eines, das den Linien anhängt, die es zieht. Sogar seine ­Fotografien, denen erfreulicherweise ein ganzer Saal gewidmet wurde, machen deutlich, wie sehr er Sujet, also Thema und Autor, Knecht und Herr zugleich ist von Linien, die zu Sinngeweben führen. Vom anderen Ende, dem des Bildes, geht der 31 Jahre jüngere venezolanische Raúl Illarramendi die Sache an. Von Direktor Pierre-Jean Sugier als Konterpart zu Gelzer gewählt, bleibt der in Paris lebende Künstler dem mimetischen Zug der Zeichnung treu. Verfolgt Gelzer diesen auf struktureller Ebene, reizt Illarramendi dessen täuschende Möglichkeiten aus, indem er alltägliche Spuren aufzeichnet. Was unbewusst in manchmal wenigen Sekunden durch Wischen von LKW-Planen, Arbeiten auf Atelierböden oder Ballspiel gegen eine Hallenwand zur Form wird, der Künstler überträgt es minutiös auf grossformatige Leinwände. Dabei, sagt er, gehe es ihm ums «non-sujet», er wolle nicht ein Thema, sondern einen Zustand von Spuren darstellen, gewissermassen die Omnipräsenz von gezeichneter Form. Unter der Hand sagt er damit auch, dass er nicht von der anziehenden, drängenden Präsenz der Linie unterworfen werden will. Er will sie formen, zu sehen geben, wie Zeichnung Seh- und Weltraum einrichtet. Entlang seiner mit ästhetischer Intensität umgesetzten Leinwände und Plastiken fragt sich, mit Gelzers Linientänzen im Gedächtnis, ob nicht jeder präzis nachahmende Strich Illarramendi umso fester der Linie verhaftet.

Bis 
11.02.2018
Ausstellungen Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Gilgian Gelzer, Raul Illarramendi 19.11.201711.02.2018 Ausstellung Saint-Louis
Frankreich
FR

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