Alex Prager — Silver Lake Drive

Alex Prager · Desirée, 2018, aus der Serie The Big Valley. Courtesy Alex Prager Studio und Lehmann Maupin, New York und Hongkong

Alex Prager · Desirée, 2018, aus der Serie The Big Valley. Courtesy Alex Prager Studio und Lehmann Maupin, New York und Hongkong

Alex Prager · Lois, 2009, aus der Serie Week-end and the Long Weekend. Courtesy Alex Prager Studio und Lehmann Maupin, New York und Hongkong

Alex Prager · Lois, 2009, aus der Serie Week-end and the Long Weekend. Courtesy Alex Prager Studio und Lehmann Maupin, New York und Hongkong

Besprechung

Los Angeles ist für die einen die Stadt der grossen Träume. Für andere ein Ort mit ständig blauem Himmel. All dies ist in den Bildern von Alex Prager enthalten. Im Mittelpunkt stehen Frauen­figuren in farbiger Kleidung mit Make-up und üppiger Perücke. Sie sind die Heldinnen – aber alle nah an der Verzweiflung.

Alex Prager — Silver Lake Drive

Le Locle — Im Kunstmuseum in Le Locle konzentriert man sich in einer Reihe von Ausstellungen auf weibliche Perspektiven. Die amerikanische Künstlerin Alex Prager (*1979) macht den Anfang. Die Fotografin aus Los Angeles entwirft eine eigene, schrille Version von Weiblichkeit, gespiegelt in den Farben und Geschichten alter Technicolor-Filme aus Hollywood. Im Interview erklärt Prager, wie sich die Linien zwischen dem, was wirklich ist, und dem, was als Wirklichkeit wahrgenommen wird, in ihrer Arbeit verwischen. Sie erfindet eine Geschichte und setzt die gedachten Bilder in bis ins letzte Detail ausgearbeitete Skizzen um; die inszenierten Szenen wirken teils hyperrealistisch und zugleich wie aus einer Traumwelt. Das Sein in einer grossen Stadt ist wiederholtes Thema auf Pragers Bildern, die Einsamkeit in der Menge, das Gefühl von Isolierung und Ausgrenzung. Auf drei Stockwerken wechseln sich grossformatige Porträts ab mit Filmen. Und immer, sei es nun in der Werkgruppe ‹Silver Lake Drive›, ‹Compulsion› oder ‹Crowd›, sind die Heldinnen allein. Im Film ‹Despair› springt eine Schauspielerin mit den Gesichtszügen der unter mysteriösen Umständen zu Tode gekommenen Nathalie Wood nach einem Telefonanruf zum Fenster hinaus, jedoch einzig die roten Schuhe landen auf dem Boden. Indem Prager mit Kostümen im Retrostil arbeitet, entsteht eine Stimmung aus Vergänglichkeit und unerfüllter Sehnsucht. Die Augen, umrahmt von künstlichen Wimpern, sind gerötet und blicken in die Ferne und damit wohl auch auf all die sich vor dem inneren Auge abzeichnenden verpassten Möglichkeiten. Alex Pragers Inszenierungen schwanken zwischen Kunst und Kitsch, zwischen Oberflächlichkeit und Tiefe. Die Anlehnung an Hollywood und die Popkultur ist offensichtlich, jedoch spinnt Prager die Geschichten ihrer Heldinnen weiter: Die Haupt­figur im Film ‹La Petite Mort› wirft sich mitten in der Wüste mit toupiertem Haar und falschen Wimpern unter die Lokomotive – Schnitt – steigt ohne Knitterfalten und trocken aus einem Teich und bahnt sich einen Weg durch die gaffende Menge. Konsequent werden die männlichen Figuren – entweder gescheitelt oder mit Hut – nur als Statisten eingesetzt. Die Frau ist die Heldin ihrer eigenen Geschichte. Dass jeder Mensch in seiner Existenz gefangen ist, zeigt ‹La Grande Sortie›: Die Primaballerina implodiert vor Publikum lautlos in ihrem eigenen Kleid – so lässt sich eine philosophische Erkenntnis auch darstellen.

Bis 
27.01.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
ALEX PRAGER – Silver Lake Drive 03.11.201827.01.2019 Ausstellung Le Locle
Schweiz
CH
Autor/innen
Johanna Encrantz
Künstler/innen
Alex Prager

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