Daniel Mueller

Daniel Mueller · Sans Titre (MHN_02), 2018, Fotografie © ProLitteris

Daniel Mueller · Sans Titre (MHN_02), 2018, Fotografie © ProLitteris

Daniel Mueller · Sans Titre (NMBE_01), 2018, Fotografie, 2018 © ProLitteris

Daniel Mueller · Sans Titre (NMBE_01), 2018, Fotografie, 2018 © ProLitteris

Hinweis

Daniel Mueller

Nyon — Vom Löwen ist nur die hintere Körperhälfte zu sehen. Auf einer anderen Aufnahme scheint ein Tier – eine Antilope vielleicht – gerade aus dem Bild hinauszulaufen. Ein ebenso flüchtiger wie trügerischer Eindruck. Die Tiere, die Daniel Mueller im Rahmen seiner ‹Zoological Mystery Tour› besucht hat, sind allesamt bewegungsunfähig. Und nicht nur die Tiere sind nicht, was sie zu sein scheinen, alles auf diesen Fotografien ist pure Illusion. Die Tiere: ausgestopft. Die Felsen: Gips. Das Laub: Kunststoff. Und die Berge, Hügel und Weiten im Hintergrund sind nichts als gemalte Kulissen. Die Bilder sind nicht in Steppen und Savannen entstanden, sondern in der Schweiz; sie zeigen Ausschnitte aus Dioramen in naturhistorischen Museen. Dass manche Fotografien auf den ersten Blick sehr lebensnah wirken, liegt an der Technik. Daniel Mueller arbeitet mit Schwarz-Weiss-Aufnahmen und mit langen Belichtungszeiten. Künstliche Blätter verlieren ihren verräterischen Farbton, die starke Fokussierung auf Details wie falsche Felsen oder Äste erzeugt in Randpartien zuweilen kleine Unschärfen – sodass ein Eindruck von Bewegung entsteht. Dabei gibt der Fotograf und langjährige Direktor des Photoforum Pasquart in Biel deutliche Hinweise auf den realen Hintergrund seiner Aufnahmen. Mal ist da der Rahmen einer Vitrine zu sehen, mal ein Kabel an der Wand. In Lausanne fotografiert Mueller afrikanische Horntiere vor reichverzierten Schweizer Türen, in Neuenburg eine gemalte Savannenvegeta­tion im leicht abstrahierten Zeitgeschmack der Fünfzigerjahre. So transportieren diese zweidimensionalen Bilder dreidimensionaler Bilder auch eine kleine Geschichte der Museologie und der Art und Weise, wie Natur vermittelt wird. Werden Raubkatzen und Krokodile in einigen Museen in abgeschlossenen Schaukästen wie auf Guckkastenbühnen inszeniert, was eine klare Trennung zwischen Mensch und Natur suggeriert, ist die Präsentation in Genf beispielsweise offener gestaltet, mehr im Sinn eines lebendigen Miteinanders, obwohl natürlich auch dies eine Illusion bleibt. In seinen eindrucksvollen Bildern mit ihren eigenwilligen Ausschnitten weist Mueller immer wieder auf die bizarren Details dieser Als-ob-Natur hin. Sie sind wie ein Blick hinter die Kulissen, und wer genau hinschaut, erkennt die Narbe am Bein eines Steinbocks oder die Mottenlöcher im Fell einer Giraffe.

Bis 
31.01.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Daniel Mueller 10.11.201831.01.2019 Ausstellung Nyon
Schweiz
CH
Künstler/innen
Daniel Mueller
Autor/innen
Alice Henkes

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