Fausto Melotti — Galerie Monica De Cardenas, Zuoz

Fausto Melotti · I luoghi deputati (Die Spielorte), 1976, Kupfer, 655 x 130 x 100 cm, Courtesy Monica De Cardenas, Zuoz

Fausto Melotti · I luoghi deputati (Die Spielorte), 1976, Kupfer, 655 x 130 x 100 cm, Courtesy Monica De Cardenas, Zuoz

Besprechung

Die gestuften Gewölbe der still verschneiten Chesa Albertini versammeln eine mehrstimmige Auswahl von späteren Arbeiten auf Papier und Gips, von Keramikobjekten und filigranen Skulpturen aus Metall, auch eine Grossskulptur – allesamt Arbeiten von Fausto Melotti: Figuren nicht sichtbarer Verhältnisse.

Fausto Melotti — Galerie Monica De Cardenas, Zuoz

Zuoz — Die Präsentation historischer Positionen war einmal die Aufgabe der Kunstmuseen. Wenn nun regelmässig Galerien diese Rolle wahrnehmen, mag daraus eine Ratlosigkeit gegenüber der jüngsten Kunst sprechen, aber auch ein veränderter Anspruch auf Aktualität, wie bei Fausto Melotti (1901–1986). Seine nahezu immaterielle Art der Inszenierung von Räumen erfährt im Kontext virtueller Sphären eine neue Deutung, zugleich zeigt er plastisch und bildhaft, wie unsichtbare Strukturen jenseits wortreicher Beschwörungen sinnlich erfahrbar werden können. In einigen Arbeiten mit explizit mythologischen Bezügen zu den alttestamentarischen Figuren Judith oder Sulamith und in den figurativen Keramiken gibt es eine erzählerische Dimension. Die seriellen Strukturen in den Kleinplastiken verweisen zugleich auf die Tiefenstruktur eines Werks, das über geometrischen Grundformen und Strichrastern musikalisch frei improvisiert. Die bildnerische Arbeit in Kenntnis und formaler Nähe zu anderen Künsten ist dabei wichtig. Die Dichtung ‹Le città invisibili›, 1972, seines Freundes ­Italo Calvino entwirft in knappen Skizzen eine Reihe imaginärer Städte, in denen Erinnerungen, Wünsche und Zeichen vielfach verschachtelte Strukturen bestimmen. Im Zentrum der grauen Steinstadt Fedora steht ein Metallpalast, worin jedes Zimmer eine Glaskugel umschliesst, die wiederum eine blaue Stadt, das Modell eines anderen Fedora sehen lässt … Calvino schrieb 1981 zu Melottis späten Skulpturen den Text ‹Gli effimeri›. Flüchtige Energien, deren Übertragung, Vervielfachung und Verwandlung, bleiben in Melottis fragilen statischen Konstruktionen ebenso spürbar wie die unsichtbaren metrischen Verhältnisse in mehrfach wiederholten Formen. Während das Zeichnen in freien Strichen, mitunter mit Farben und aquarellhaft malerisch, rasche Punkte, Linien und einzelne Flächen lose in Konstellation setzt, zeichnet die feingliedrig aufragende Plastik ‹I Luoghi Deputati›, 1976, mit geometrisch klaren Linien aus Kupfer ein serielles Raster aus Kugeln und kurzen Geraden in den Raum, hoch darüber drei schwingende, wie in die Lüfte geworfene Ellipsen. Erstaunlich, wie diese beiden sehr verschiedenen Vorgehensweisen miteinander korrespondieren, als hätte Kandiskys innerer Klang spät im 20. Jahrhundert eine überraschende Resonanz gefunden. Oder als hätten schon die feinen materiellen Modelle Melottis ihren Anteil an der leichten Wandelbarkeit digitaler Simulationen.

Bis 
23.02.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Fausto Melotti 22.12.201809.03.2019 Ausstellung Zuoz
Schweiz
CH
Künstler/innen
Fausto Melotti
Autor/innen
Hans Rudolf Reust

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