Fotomuseum Winterthur — Ein Stück Leben

Graciela Iturbide · Mujer ángel, Sonoram Desert, Mexico, 1979, aus der Serie ‹Die Seri-Indianer›, 1979

Graciela Iturbide · Mujer ángel, Sonoram Desert, Mexico, 1979, aus der Serie ‹Die Seri-Indianer›, 1979

Luigi Ghirri · Egmond aan Zee, aus der Serie Kodachrome, 1973

Luigi Ghirri · Egmond aan Zee, aus der Serie Kodachrome, 1973

Besprechung

Der 29. Januar 1993 ist ein grosser Tag für die Fotografie: Das Fotomuseum Winterthur wird eröffnet! Die überzeugende, auf verbindlich schöne Weise subjektive Jubiläumsschau feiert das 25-jährige Bestehen des Hauses mit Werken der Jahre 1960 bis 2017 aus der eigenen Sammlung.

Fotomuseum Winterthur — Ein Stück Leben

Winterthur — Nicht alles, aber vieles, was im Medium der Fotografie unserer Zeit möglich ist; nicht etwa aus jeder der bis heute realisierten Ausstellungen ein charakteristisches Werk; und längst nicht jedes der gezeigten Werke war zuvor in einer der rund 160 Ausstellungen des Fotomuseums Winterthur zu sehen: ‹25 Jahre! Gemeinsam Geschichte(n) schreiben› ist eine sehr lebendige Jubiläumsschau, voller Erinnerungen und Verweise und voller Überraschungen, mit Neubegegnungen und unverhofftem Wiedersehen. Dass die Schau lebendig ist, aber dennoch in sich ruht und überschaubar bleibt, ist dem Ausstellungskonzept zu verdanken. Es werden nur Werke aus der aktuell rund 8000 Exponate umfassenden hauseigenen Sammlung gezeigt, ausgewählt von 25 Weggefährt/innen des Museums und von Nadine Wietlisbach, seit Anfang 2018 dessen Direktorin. 51 Künstlerpositionen kommen so zusammen, grosszügig präsentiert, einander Raum lassend. Wie das auf jemanden wirkt, der das Fotomuseum nur hin und wieder besucht, kann ich nicht beurteilen. Wer aber von Ende Januar 1993 bis heute fast immer dabei war, steht buchstäblich vor einem Stück seines Lebens. Wird weit hinaus auf ein Assoziationsfeld gelockt, wenn sich hinter jedem schon einmal gesehenen Bild andere, die dazugehör(t)en, zu regen beginnen und klar wird, wie brüchig das Eis ist zwischen den Wirklichkeiten, zwischen realem und inaginiertem Raum. Das Hundeporträt von Peter Hujar – es ruft all die Toten und Lebenden wie Jackie Curtis, Malcolm Morley oder Lotte Eisner wach. Das reduzierte Interieur von Lewis Baltz – es erinnert an die menschengemachte Un-Ordnung der vielen Bilder von ‹Park City›. Graciela Iturbides ‹Engelfrau› mit dem Kofferradio – gleich hat man ein anderes ikonisches Bild der gros­sen Menschenseherin vor Augen, ‹Nuestra Señora de las iguanas›. Oder die Körperbilder von Hannah Villiger im ersten Raum und, zwei Räume später, ebenfalls körperhaft, Leben und Tod zusammendenkend, das Austernbild von Hannah Collins – beide rufen in einem weiteren Erinnerungsschritt jene Bilder wach, die das Fotomuseum unter dem Titel ‹Darkside I› und ‹Darkside II› präsentierte: Ausstellungen, welche die prekäre Beschaffenheit des Menschen vor Augen führten. – Für jeden Besucher, jede Besucherin dürfte der Gang durch die Jubiläumsschau viel mit gelebter und erlebter Zeit zu tun haben. Die Sätze der erwähnten Weggefährten, die im Text zur Ausstellung aufliegen, können einem dabei Leitlinien sein.

Bis 
10.02.2019
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25 Jahre! Gemeinsam Geschichte(n) schreiben 20.10.201810.02.2019 Ausstellung Winterthur
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