Frankenstein

Julia Kuster · Am Familiengrab, Kohlezeichnung 2018

Julia Kuster · Am Familiengrab, Kohlezeichnung 2018

Luigi Galvani · De Viribus Electricitatis in Motu Musculari Commentarius, 1792, Welcome Collection CC

Luigi Galvani · De Viribus Electricitatis in Motu Musculari Commentarius, 1792, Welcome Collection CC

Hinweis

Frankenstein

Zürich — Pünktlich zum 200-Jahr-Jubiläum von ‹Frankenstein oder Der moderne Prometheus› widmet der Strauhof diesem Science-Fiction-Roman avant la lettre und seiner Autorin Mary Shelley sowie der Rezeption in Kultur, Gesellschaft und Wissenschaft eine inspirierende Ausstellung. Ausgehend vom personellen Setting steht das Verhältnis zwischen Schöpfer und Kreatur im Fokus, der mit einem grosszügigen Zeitsprung aus dem beginnenden 19. Jahrhundert in die Gegenwart weitergeführt wird. Die zunehmende Verselbständigung des Wesens, die in einem dramatischen Showdown in der Arktis ihren Abschluss findet, geht einher mit dem verzweifelten Kontrollverlust des Wissenschaftlers, dem sein Geschöpf über den Kopf gewachsen ist. Diese Konstellation prägt in der Folge zahlreiche literarische, musikalische und filmische Weiterschreibungen, die teilweise auch Kultstatus erreicht haben – man denke nur an Boris Karloff in der grossartigen Verfilmung von 1931! Während die Kreatur im Roman namenlos ist, tragen Applikationen künstlicher Intelligenz in der Regel Namen: Alexa, Siri oder Eliza, allesamt weiblich und mit einer angenehmen Stimme ausgestattet. Die Lernfähigkeit solcher Programme, die Entwicklung von autonomen Handlungen und eine eigenständige Denkweise faszinieren – und lassen einen zugleich etwas frösteln. Der Einfluss auf die Gesellschaft, die ethischen Dimensionen im Fall von «systemverursachten» Unfällen selbstfahrender Autos sind letztlich die Spitze eines Eisbergs, der unaufhaltsam in eine durch und durch technologisierte Zukunft treibt. Die Ausstellung legt dieses Spektrum in seiner Ambivalenz und Vielschichtigkeit offen aus: Neben Interviews mit Expert/innen aus dem Feld der Literaturwissenschaft und Neuroinformatik sorgen thematisch zusammengestellte Filmausschnitte für freudige Wiederentdeckungen und Überraschungen, die Hörstationen mit Passagen aus dem Roman und Material zu Mary Shelley sorgen dafür, dass die Autorin und ihre aussergewöhnliche Biografie nicht vergessen gehen. Das rekonstruierte galvanische Experiment der zuckenden Froschschenkel – zeitgemäss aus Plastik – begrüsst das Publikum im Eingang mit zarten Bewegungen, verweist aber auch auf die starke Wirkung, die (natur-)wissenschaftliche Experimente in Kultur und Gesellschaft hinterlassen (haben).

Bis 
13.01.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Frankenstein - Von Mary Shelley zum Silicon Valley 05.10.201820.01.2019 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Künstler/innen
Julia Kuster
Luigi Galvani
Autor/innen
Irene Müller

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