High Ceiling — Galerie-Sharing-Plattform

Annaïk Lou Pitteloud, Michiel Ceulers, Judith Kakon · A Fair Proposal, Ausstellungsansicht, Barbara Seiler, Zürich, 2018

Annaïk Lou Pitteloud, Michiel Ceulers, Judith Kakon · A Fair Proposal, Ausstellungsansicht, Barbara Seiler, Zürich, 2018

P2P · Ausstellungsansicht, High Ceiling, courtesy Herrmann Germann Conspirators and the artists, Zürich, 2018

P2P · Ausstellungsansicht, High Ceiling, courtesy Herrmann Germann Conspirators and the artists, Zürich, 2018

Besprechung

Mit High Ceiling wurde im Löwenbräu eine neue Plattform eröffnet: Im von Barbara Seiler initiierten Galerie-Sharing-Modell teilen sich fünf Parteien vier Ausstellungsräume und die Infrastruktur – ein innovativer Ansatz, um den schwierigen Bedingungen des Kunstmarkts für kleine Galerien entgegenzutreten

High Ceiling — Galerie-Sharing-Plattform

Zürich — Die Zürcher Galerienlandschaft hat sich gelichtet. RaebervonStenglin, Freymond-Guth, Susanna Kulli oder Herrmann Germann sind nur einige, die ihre Tore geschlossen haben. Neben individuellen Gründen ist der ökonomische Druck nicht von der Hand zu weisen. Zürich ist keine Ausnahme, auch international ist es zwischen Messen, diversen Ausstellungsformaten und Social Media schwieriger geworden. Dies ist der Kontext, in dem High Ceiling in den ehemaligen Räumen der Galerie Bob van Orsouw eröffnet hat – im Löwenbräu, das aktuell umgebaut und neu positioniert wird. Neben Barbara Seiler ist annex14 eingezogen. Die Räume sind grosszügig und hoch, die Übergänge offen. Bespielt werden sie turnusartig, ausstellungsfreie Perioden erlauben Luft für die Arbeit hinter den Kulissen. Sowohl Paul Czerlitzki bei annex14 als auch ‹A Fair Proposal› bei Barbara Seiler muten unaufgeregt an, verlangen nach einem zweiten Blick. Czerlitzki hat feine Abrisse von Klebeband und Packpapier auf den Wänden zurückgelassen, was ebenso vorläufig wie eine auf Klappstühlen platzierte schwarze Leinwand wirkt: Es sind Spuren einer Wandarbeit, die vor Ort entstehen sollte, aber verworfen wurde. Wie es der Titel ‹A Fair Proposal› besagt, handelt es sich bei Barbara Seiler um einen Vorschlag für eine Messe von Annaïk Lou Pitteloud und Michiel Ceulers. Nicht realisiert wird nun auch die Verschiebung in die Galerie: Eine Wand wird auf das ursprüngliche Mass verlängert und das zusätzliche Treppenobjekt von Judith Kakon auf der Werkliste ist nur handschriftlich ergänzt. Schliesslich haben Herrmann Germann Conspirators als Gäste zwei Räume mit ‹P2P› bespielt. Mit der Kurzform von Peer-to-Peer auf das digitale Sharing-Konzept von Napster und Co. verweisend, vereinen sie Positionen der drei Galerien und zeigen ein wechselndes Videoprogramm. Blaue Gymnastikbälle dienen als visuelles Bindeglied und Sitzgelegenheit. Wöchentliches Yoga – ja, das gab es im Löwenbräu bereits – und Videoabende sollen ein niederschwelliges Begleitprogramm bieten. Im Frühling zieht zudem die Berliner Galerie Hubertushöhe ein. Noch lassen weitere Mitstreiter/innen auf sich warten. Zürichs hohe Betriebs- und Lebenskosten dürften internationale Galerien zögern lassen, auch wenn die Löwenbräu-Kunst AG das Konzept mit reduzierten Mieten unterstützt. Das Sharing-Modell ist eine Chance für Galerien, und wenn es gelingt, den niederschwelligen Zugang intelligent umzusetzen, sorgt es im besten Fall auch für frischen Wind im Löwenbräu.

Bis 
09.02.2019
Institutionen Land Ort
Barbara Seiler Schweiz Zürich
annex14 Schweiz Zürich
Ausstellungen/Newsticker Datum Typabsteigend sortieren Ort Land
A. L. Pitteloud, M. Ceulers, J. Kakon 24.11.201809.02.2019 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Paul Czerlitzki - Delay 24.11.201809.02.2019 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH

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