Ignaz Epper und Otto Morach

Ignaz Epper · Bahndurchstich, um 1918/19, Öl auf Leinwand auf Holzfaserplatte, 56 x 65,5 cm, Kunstmuseum Winterthur. © Foto: Lutz Hartmann/SIK-ISEA

Ignaz Epper · Bahndurchstich, um 1918/19, Öl auf Leinwand auf Holzfaserplatte, 56 x 65,5 cm, Kunstmuseum Winterthur. © Foto: Lutz Hartmann/SIK-ISEA

Otto Morach · Fabrikbau III, um 1919, Öl auf Leinwand, 90 x 69 cm, Kunstmuseum Olten

Otto Morach · Fabrikbau III, um 1919, Öl auf Leinwand, 90 x 69 cm, Kunstmuseum Olten

Hinweis

Ignaz Epper und Otto Morach

Olten — Dass Ignaz Epper (1892–1969) und ­Otto Morach (1887–1973) sehr unterschiedliche Persönlichkeiten waren, daran lässt die Ausstellung unter dem Titel ‹Aufbruchstimmung und Zukunftsangst vor 100 Jahren› im Kunstmuseum Olten keine Zweifel. Gegenüber vom Eingang hängt Ignaz Eppers Gemälde ‹Grosser Tunnel mit Berg›, 1918/19, neben Otto Morachs Ölbild ‹Fabrikbau III›, 1916. Beide Gemälde sind etwa einen Meter hoch, beide behandeln ein Sujet aus dem Themenfeld Architektur, Raumgestaltung der Moderne, beide sind in expressivem Gestus ausgeführt. In dieser Klammer der Gemeinsamkeiten lassen sich jedoch zwei scharf konturierte Künstlerpersönlichkeiten ausmachen, die eine bewegte Zeit je sehr eigen verarbeiten. Der aus St. Gallen stammende Ignaz Epper, der zum Kreis der sozialkritischen Zürcher Künstler seiner Zeit wie Gregor Rabinovitch und Eduard und Max Gubler zählte, malt die von zahlreichen Umbrüchen und Neuerungen bewegte Moderne in schweren, dunklen Rot- und Brauntönen, schattiertem Gelb, schwärzlichem Grün. Etwas Erdiges hängt diesen Bildern an. Etwas Schweres. Und doch spürt man deutlich ein Wanken und Knirschen vor den Eisenbahntunneln und Industrieanlagen mit ihren schiefen Perspektiven, die alles ins Rutschen und Schlingern geraten lassen. Heller, kälter, dynamischer wirken daneben die Bilder des Solothurners Otto Morach, der Fabriken, Bahnhöfe und Viadukte in schieferhelle und ziegelrote Flächen auflöst. Eine ‹Baustelle› von 1914 nimmt farblich gar liebliche Töne an. Morach gehörte der Gruppe ‹Neues Leben› an, die für eine Aufhebung der Grenzen zwischen Kunst, Kunsthandwerk und Gestaltung eintrat. In der dritten Etage des Kunstmuseums findet sich, als sehenswerte Ergänzung, eine kleine Präsentation von Werbeplakaten, die Morach entworfen hat. Ignaz Epper indes wurde vor allem für seine atmosphärisch dichten Holzschnitte bekannt, in denen soziale Verschiebungen in mal klaustrophobisch engen, mal auseinanderfallenden Räumen gespiegelt werden. Beide, Epper wie auch Morach, passen mit ihrem Gespür für eine Gesellschaft voller Bewegungen und Gegenbewegungen gut auch in die heutige Zeit, in der wieder instabil wird, was lange als stabil wahrgenommen wurde. Die Gegenüberstellung der beiden Schweizer Expressiven ist so erhellend, dass man sich wundert, dass sie noch nie im Doppel gezeigt wurden. 

Bis 
17.02.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Ignaz Epper und Otto Morach 02.12.201817.02.2019 Ausstellung Olten
Schweiz
CH
Künstler/innen
Ignaz Epper
Otto Morach
Autor/innen
Alice Henkes

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