Kunst am Bau — Katja Loher im Swissgrid-Hauptsitz in Aarau

Katja Loher · Where Does the Rainbow End? (Detail), 2018. Foto: Grazia Branco

Katja Loher · Where Does the Rainbow End? (Detail), 2018. Foto: Grazia Branco

Katja Loher · Where Does the Rainbow End?, 2018, Installationsansichten Swissgrid-Hauptsitz, Aarau. Foto: Grazia Branco

Katja Loher · Where Does the Rainbow End?, 2018, Installationsansichten Swissgrid-Hauptsitz, Aarau. Foto: Grazia Branco

Besprechung

Katja Loher interessiert sich für das Gleichgewicht von Mensch und Natur. Für den neu erbauten Hauptsitz der Stromnetz­zentrale Swissgrid führt sie mit Videointerventionen von aussen nach innen und lässt Ameisen und Elektronen Fragen zum Zustand unseres Planeten formulieren.

Kunst am Bau — Katja Loher im Swissgrid-Hauptsitz in Aarau

Aarau — Der neue Swissgrid-Bau beim Bahnhof Aarau präsentiert sich als technoid-eleganter Bau. Bereits vor dem Eingang sieht man ameisenartige Wesen auf einem Videoschirm an der Decke krabbeln, und im Innern des aus Sicherheitsgründen leider nicht öffentlich zugänglichen Gebäudes geht es weiter: Fünf «Videolinien» sind in den Parkettboden eingelassen und sieben «Bubbles», organisch geformte, mit Bildschirmen bestückte Glaskammern, treten aus den Wänden hervor. Wer nun denkt, dass die Multimediakünstlerin Katja Loher (*1979, Zürich) ihre Arbeiten auf dem Rechner animiert, irrt: Die Videos entstehen mit realen Schauspielern und Tänzern in ihrem New Yorker Atelier, womit die Künstlerin ihrer seit 2004 in New York entwickelten Arbeitsweise treu bleibt. Ameisen formieren sich zu Buchstaben und Worten, die aus der Vogelperspektive gefilmt werden. ‹Wird die Erdtemperatur weiter steigen?› und ‹Does the grid connect our dreams?›, so lauten einige der Fragen. Von aussen nach innen schreitend, verwandeln sich die Ameisen in Elektronen. Für Loher stehen sie für Netzwerke und Arbeitsteilung: Die Ameisenlinien versorgen ihre Kolonie mit Futter, während Swissgrid die Schweiz mit Strom versorgt. Die Fragen zum Zustand unseres Planeten sind teils humorvoll, teils ermahnend formuliert. Eine Umweltschützerin? Lohers Arbeit ist sicher kein Aufschrei gegen Technologisierung, setzt sie ja selbst modernste LED-Technik ein. «Mich interessiert das Gleichgewicht von Mensch und Natur und wie es zunehmend aus dem Gleichgewicht gerät. Wenn wir gegen die Natur arbeiten, können wir nicht existieren», kommentiert die Künstlerin. Die Architekten Thomas Schneider und Beat Schneider wünschten sich bereits in der frühesten Entwurfsphase Kunst am Bau: «... es ist ein Must-have.» Sie wurden begleitet von der Kuratorin Friederike Schmid sowie einer Delegation von Mitarbeitenden, die über Jahre einen regen Austausch mit der Künstlerin pflegten. Loher setzt mit ihren Fantasiegeschöpfen einen Kontrapunkt zur technisch-kühlen Ingenieurwelt von Swissgrid, wobei sie weder simple Technologiekritik betreibt noch reine Unterhaltung oder Ornament bietet. Im metaphorischen Bezug zum Energiefluss verknüpft sie Reales und Imaginiertes. Selten verschmilzt eine Kunst-am-Bau-Arbeit so selbstverständlich mit der Architektur und bleibt dennoch präsent.

→ Swissgrid AG, Bleichemattstr. 31, Aarau; Besichtigung der Innenräume nur auf Voranmeldung
www.katjaloher.com/where-does-the-rainbow-end/

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