Kunstspaziergang auf dem Campus

Alfred Heinrich Pellegrini · Farbraum der chemischen Fabrik J. R. Geigy AG Basel, 1935, Ölfarbe, Leinwand, Putz, 200 x 250 cm. ETH Zentrum

Alfred Heinrich Pellegrini · Farbraum der chemischen Fabrik J. R. Geigy AG Basel, 1935, Ölfarbe, Leinwand, Putz, 200 x 250 cm. ETH Zentrum

Elisabeth Leuenberger · Systematische Schwingungen, 1973, Beton, Holz, ETH Hönggerberg

Elisabeth Leuenberger · Systematische Schwingungen, 1973, Beton, Holz, ETH Hönggerberg

Hinweis

Kunstspaziergang auf dem Campus

Zürich — Wer mit dem ehrwürdigen ­Polybähnli vom Central zur ETH hochfährt und an die Nordfassade des Semper-Baus blickt, sieht bereits das erste Kunstwerk aus dem Inventar der 1855 als ‹Polytechnikum› gegründeten Institution. Es ist tatsächlich ein durch die Bibliothek verwaltetes und über das Internet abrufbares ‹Inventar› mit gut zweihundert Werken, denn die Hochschule als solche hat im Gegensatz zur Graphischen Sammlung keinen Sammlungsauftrag. Rund 120 Exponate sind öffentlich an der Rämistrasse und auf dem Campus Hönggerberg zu besichtigen; seit August 2017 gibt es dazu eine schöne Broschüre, die zweisprachig zum Kunstrundgang einlädt. In der Halle des Haupteingangs steht der anmutige Drei-Grazien-Brunnen von Eduard Zimmermann (1872–1949) aus dem Jahr 1921, eine Stiftung des ehemaligen Rektors Robert Gnehm, der massgeblichen Anteil an der Entwicklung der ETH hatte und dessen Geburtshaus ‹Lindwurm› in Stein am Rhein heute ein Museum ist. Mensch und Arbeit sind die Themen, die den grossen Bildzyklus in den Hallen des Hauptgebäudes bestimmen. Entlang rauchender Schlote, kühner Viadukte, siedend heisser Giessereien und dampfender Kübel erhalten wir Einblick in die Fabrikwelt des frühen 20. Jahrhunderts. Alfred Heinrich Pellegrini (1881–1958) führt uns das mit dem ‹Farbraum der chemischen Fabrik J. R. Geigy AG Basel› aus dem Jahr 1935 grossformatig vor. Ganz anders ‹Conqête de l’Espace› von Alfred Roth (1903–1998). Das quadratische Werk aus Gips und Holz abstrahiert Raum und Zeit auf einen Rhombus und schmale Rechtecke. Es ist, etwas versteckt und vernachlässigt, in einer dunklen Nische bei der Treppe 30, Geschoss H im Hauptgebäude angebracht. Auf dem Hönggerberg schmückt unter anderem Elisabeth Leuenberger (1939–2010) mit ihren ‹Systematischen Schwingungen› seit 1973 das Studentenfoyer im Gebäude HPV. Die Künstlerin hatte damit den Wettbewerb für die Ausgestaltung des kleinen Hörsaalgebäudes der Physikbauten gewonnen. Der Kunstspaziergang lässt sich auch gut mit dem Besuch der Graphischen Sammlung kombinieren und kostet – nichts. Wer noch einen Blick auf ein Werk der Ingenieurskunst werfen will, kann das im Maschinenbau-Laboratorium tun, wo ein aufgeschnittenes General-Electric-Düsentriebwerk steht, das einst bei der Swissair die ‹Coronado› angetrieben hat

→ Kunstrundgang ETH Zentrum und Hönggerberg, öffentlich

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