Maria Eichhorn — Zwölf Arbeiten

Maria Eichhorn · 72 Bilder (1992/93), 72 monochrom bemalte Leinwände, Namensschilder, Etiketten auf der Rückseite der Leinwände, je 123 x 93 cm, Ausstellungsansicht Migros Museum Zürich © ProLitteris. Foto: Lorenzo Pusterla

Maria Eichhorn · 72 Bilder (1992/93), 72 monochrom bemalte Leinwände, Namensschilder, Etiketten auf der Rückseite der Leinwände, je 123 x 93 cm, Ausstellungsansicht Migros Museum Zürich © ProLitteris. Foto: Lorenzo Pusterla

Besprechung

Maria Eichhorn recherchiert ausgiebig, um gesellschaftliche und ökonomische Situationen zu hinterfragen. Formal wirken die Werke karg und spröde; doch sind sie so angelegt, dass sie einen Diskurs anstossen. Im Migros Museum sind nun zwölf ­Arbeiten aus den letzten dreissig Jahren zu sehen.

Maria Eichhorn — Zwölf Arbeiten

Zürich — Gegenwärtig erfolgt der Zugang ins Migros Museum wegen Umbauarbeiten über den Innenhof. Da hämmert, dröhnt und wummert es. Erst im Ausstellungssaal  ist es unvermittelt still. Zunächst könnte man meinen, die Arbeiten hier seien soeben fertiggestellt worden, stehen doch scheinbar zufällig vergessene Dinge herum: an ­einer Wand ein riesiger Besen, in einer Ecke zwei Papiertüten mit dem Aufdruck «Data Quest Apple Premium Reseller» voller leerer Produktverpackungen, andernorts ein Roller mit aufgelegten Plakaten, und an einer Wand lehnt ein zusammengerolltes Transparent. Doch weit gefehlt. Zwei in der Saalmitte stehende Glasvitrinen klären über den konzeptuellen, minimalistischen Impetus von Maria Eichhorn (*1962, Bamberg) auf. In den Vitrinen sind gesammelte Dokumente der Eigentumsübertragung ­eines leer stehenden Altbaus in einem früher wohlhabenden Viertel in Athen ausgelegt. Eichhorn hatte die Immobilie im Hinblick auf die Documenta 14 erworben, und sie überführte das Haus in ein Nichteigentum. Der Grund liegt in der massiven griechischen Wirtschaftskrise. Seit viele Athener ihre Eigentumssteuer nicht mehr bezahlen können, sind die Häuser günstig zu erwerben. Maria Eichhorn transformiert den Bau in ein Kunstwerk und nennt es ‹Building an Unowned Property›. Gemäss Konzept besteht das Werk darin, den Status eines Gebäudes in ein Nichteigentum zu überführen, «in allen Aktivitäten und Prozeduren, die dafür notwendig sind: unter anderem die juristischen Recherchen, die Suche nach verfügbaren Gebäuden, die Begehungen, die Auswahl und die notariell bestätigte Beglaubigung des neuen juristischen Status des Gebäudes und Grundstücks». Das Migros Museum finanzierte das Werk und entscheidet über die Nutzungsmöglichkeiten: Künstlerresidenz, Ausstellungsraum oder Obdachlosenasyl. Auch eine weitere Arbeit, ‹72 Bilder›, 1992/93, befindet sich in der Sammlung des Migros Museum und ist nun im gesamten Obergeschoss einreihig gehängt. Anlässlich ‹Qui, quoi, où› im Musée d’art moderne de la Ville de Paris liess die Künstlerin über die Dauer der Schau  von 72 Tagen Leinwände von Museumsangestellten monochrom bemalen, sie durften ­ihren Farbton aus einem Sortiment von 72 unterschiedlichen Ölfarben auswählen. Eichhorns Arbeiten bestehen häufig aus präzisen Eingriffen in bestehende Verhältnisse. In ihren reduzierten Werken sind die komplexen thematischen Zusammenhänge bisweilen erst auf den zweiten Blick zu erkennen.

Bis 
03.02.2019
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Maria Eichhorn 20.11.201803.02.2019 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Dominique von Burg
Künstler/innen
Maria Eichhorn

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