Sophie Jung — Is that all there is?

Sophie Jung · The Bigger Sleep, Kunstmuseum I Gegenwart, Basel, 2018. Foto: Julian Salinas

Sophie Jung · The Bigger Sleep, Kunstmuseum I Gegenwart, Basel, 2018. Foto: Julian Salinas

Besprechung

Was einmal eine stolze Fanfare sein wollte, dringt jetzt als mäs­sig intoniertes Pfeifen aus einer Blechbüchse. Die Blütezeit der Häuslichkeit scheint erloschen, doch verhilft die Kunst den Accessoires eines verwöhnten Lebens noch einmal zu ihrem Auftritt. Regie führt Sophie Jung, Manor Kunstpreis-Trägerin 2018.

Sophie Jung — Is that all there is?

Basel — Der Boden ist mit Spiegelfolie ausgelegt, sodass Lichtreflexe Wände und Decke mit einem marmorierten Muster überziehen. Man wähnt sich in einem Pool, und den Streifzug durch das ausrangierte und neu assortierte Mobiliar begleitet ein leiser Schwindel. Neonröhren mimen zwei Säulen, die eine Plüschkatze hinterfangen – deren Piercings oder die Fotos von zwei wirklichen Büsi im Federbett sieht man nur aus der Nähe. Eine aufgerichtete Kühlerhaube wird rückseitig zur Pinnwand für Inserate von Luxusuhren. Auf dem schmalen Grat zwischen Ausschuss und ­Arrangement entwickeln die Dinge ihr eigensinniges Vokabular: «Wer Wind Säät, Wir Sturm Ernten» (sic) heissen etwa die Alu-Leisten, die auf Brusthöhe silberne Kurven in die Luft zeichnen; «An die Nachgeborenen» eine von Palmblättern bedeckte Leder­maske; oder «Is That All There Is?» die rosarote Chaiselongue, denen Jung Whiskyflaschen und Bierdeckel beigesellt. Aus den Ruinen des guten Geschmacks erstehen die Geister, die der Performerin den Text einflüstern für ‹The Bigger Sleep›. In ihrer Bezugnahme auf ‹The Big Sleep›, den amerikanischen Roman (1939) und Filmklassiker (1946), überführt die Manor Kunstpreis-Trägerin ihre Installation ins Setting ihrer Live-Performances. «Is that all there is?» – Der Satz bleibt einem nach dem Eröffnungsabend mitsamt digitalem Nachhall in den Ohren. Man wurde Zeuge einer inszenierten Ermattung, deren Wortschatz kaum je einen nachhaltigen Sinn ansteuert. Zwischen den Requisiten eines verblühten Wohlstands ist die Dame des Hauses ein bisschen Herrin, ein bisschen Muse und ein bisschen angewiesen auf das Skript, zu dem die Körper im Raum ihre surreale Erzählung beisteuern. Untermalt von den ewig letzten Takten ­eines symphonischen Largo, wird Ausweichen zum Zweck aller Rede. Im weissen Tüll, den sie gelegentlich als Schleppe hinter sich herzieht, gibt die Hauptdarstellerin ihrem befrackten James (Peter Burleigh) Anweisungen. Brüchig sind die Begehrlichkeiten in diesem hoch artifiziellen Interieur, alles bleibt Anspielung – als hätten die Gegenstände jeden Traum und alles Aufbegehren längst absorbiert. Geschickt bietet die Künstlerin film- und kunsthistorische Referenzen auf. Im Gutgemachten zeichnet sie allerdings die Dekadenz, um die es geht, von ihrer verführerisch fotogenen Seite. Und nimmt ihr im Spiel wieder den doppelten Boden, der das Harmlose zu bannen versprach.

Bis 
03.02.2019

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