Courbet Dessinateur

Gustave Courbet · Etude de paysage, gegen 1874, Court. Musée Gustave Courbet, Ornans

Gustave Courbet · Etude de paysage, gegen 1874, Court. Musée Gustave Courbet, Ornans

Gustave Courbet · L’Homme à la pipe, nach 1849, Court. Collection Bonna, Genève

Gustave Courbet · L’Homme à la pipe, nach 1849, Court. Collection Bonna, Genève

Hinweis

Courbet Dessinateur

Vevey — Trotz des seit den Siebzigerjahren gestiegenen Interesses an der Zeichnung gehörte Gustave Courbet (1819–1877) bislang nicht zu den Maler/innen, deren Verständnis über dieses Medium vertieft worden ist. Grund ist, dass sich der erste Versuch 1984 im Kunsthaus Zürich und in der Kunsthalle Baden-Baden in einer Täuschung erschöpfte: Betitelt mit ‹Die Lust, die Welt aus Gegensätzen zu bauen› stellte der Spezialist Klaus Herding 208 Blätter als ‹Reiseskizzen› des Künstlers aus, die dieser angeblich erst mit Pinsel und Spachtel zu einem originären Blick zu verschmelzen und mitunter auf riesigen Leinwänden auszubreiten vermochte. Der sofort virulenten Kritik hielten bis zuletzt jedoch nur zwei dieser Zeichnungen stand; der Rest musste dem Gatten seiner Schwester Zoé und weiteren Figuren attribuiert werden. Eine dem Musée jurassien d’art et d’histoire in Delémont geschenkte, bislang unbekannte Landschaft von Courbet brachte den jungen Kunsthistoriker Niklaus Manuel Güdel indes 2017 auf den Plan, sich dem Problem der Zeichnungen des Künstlers zu widmen. Gestützt von der eigens dazu gegründeten Société suisse pour l’étude de Gustave Courbet gelang es ihm zusammen mit seiner Mitarbeiterin Anne-Sophie Poirot, pünktlich zum 200. Geburtstag des Künstlers ein Kompendium von rund 250 Blättern aus privaten und öffentlichen Kabinetten vorzulegen. Vor allem aber vermögen Güdel und Poirot in einer erst im Musée Gustave Courbet Ornans und nun im Musée Jenisch Vevey gezeigten Schau, mit Courbet erstmals auch einem breiterem Publikum eine Künstlerpersönlichkeit vor Augen zu führen, die auch im Medium der Zeichnung den Erscheinungen dieser Welt imaginativ, experimentell und mit unbändiger Sinnlichkeit begegnete. In Kohlenporträts von sich und seinem Freundeskreis erlaubte sich Courbet oft eine kühne, wie das Schicksal spiegelnde Disparität zwischen nicht nur satt, sondern dick aufgetragenem Schwarz und mit dem Ratzefummel erzielten Lichtern. In autonomen Naturstudien belud er das Papier teils in unterschiedlichen Techniken und mit Materialien, sodass er es da und dort regelrecht aufschürfte. Der Künstler vermochte jedoch auch, wie es nicht zuletzt Skizzenbücher verraten, mit wenigen oft atemberaubend langen und sicheren Linien einer Figur Körper und einer Landschaft Tektonik zu geben.

Bis 
02.02.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Courbet 01.11.201902.02.2020 Ausstellung Vevey
Schweiz
CH

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