Giacomo Santiago Rogado — Desire Path

Giacomo Santiago Rogado · Coalescence (Black, Iridescent Blue Green), 2018, Acryl und Öl auf Leinen, 70 x 50 cm

Giacomo Santiago Rogado · Coalescence (Black, Iridescent Blue Green), 2018, Acryl und Öl auf Leinen, 70 x 50 cm

Besprechung

Im Entrée stehend, sieht man am einen Ende der Blickachse eine Arbeit aus Giacomo Santiago Rogados Serie ‹Intuition›. Der Zufall ist hier wesentliches Element. Am anderen Ende hängt ‹Meta 2› – streng geometrisch. In diesem Spektrum bewegt sich die erstaunliche Ausstellung im Kunstmuseum Solothurn.

Giacomo Santiago Rogado — Desire Path

Solothurn — Im Ausstellungstitel ‹Desire Path› deuten sich die Wünsche von Giacomo Santiago Rogado an, aber auch die unterschiedlichen Strecken, die in seinen Bildern und in der Schau visuell erfahrbar werden. Trampelpfad, wie «desire path» ins Deutsche übersetzt wird, ist etwas zu hart, verweist aber auf den unterschwelligen Humor des Künstlers, der sich auch in seiner Kunst spiegelt. ‹Wildwechsel› wäre subtiler, denn es sind die auf den Bildern hinterlassenen Spuren, die sich als roter Faden durch die Ausstellung ziehen.
Der erste Raum – wir begehen die sieben Säle im Uhrzeigersinn – ist eine Reminiszenz an Rogados Präsentation im Zürcher Helmhaus 2014. Die in Farbbädern hergestellten Bilder scheinen ihren Entwicklungsprozess noch nicht abgeschlossen zu haben. Die Baumwolltücher nehmen in einem langen Trocknungsprozess die Farben auf, die Rogado in die Bäder tröpfelt. Wie auf einem Löschpapier verästeln sich die Farblinien aus einem Zentrum heraus und erinnern nun an Salzkristalle. Das Bild ‹Meta 2›, das wir schon beim ersten Umschauen erblickten, schafft nicht nur die Verbindung zu den weiteren Räumen. Es kombiniert mit seinem wolkigen Hintergrund, verwandt den Bildern aus der Serie ‹Intuition›, und den darübergelegten streng geometrischen Elementen die beiden Hauptthemen der Schau. Als eigentliche Zwischenformen gelten die Bilder aus der Serie ‹Coalescence›. Ausgehend von einem Kreis malt Rogado mit einem Einhaarpinsel wellenförmige ­Linien dicht nebeneinander auf ein dick aufgetragenes Gemisch aus Acryl- und Öl­farbe, was zu einem irisierenden Effekt führt. In den grossen Kabinetten in nördlicher Richtung treffen wir auf neuartige Inszenierungen: Mittels fünf Diaprojektoren wird ein extremes Querformat auf die Wand projiziert, bei dem sich nicht nur Farben überlagern, sondern auch Details zutage treten, die den subtilen Auftrag seiner Bilder dokumentieren. Sie können auch als subkutane Referenz an Sigmar Polkes Glasfenster im Zürcher Grossmünster verstanden werden. Im gegenüberliegenden Raum zeigt Rogado eine Reihe von Aquarellen, deren Spontaneität kontrapunktisch wirken und sich als Reservoir seiner Malerei entpuppen. Zudem verweisen sie auf Inspirationsquellen der Malereigeschichte. Malerei, ja Kunst, die sich entwickeln und die berühren will, bedarf der Urväter, des Zufalls, der Strenge und des Unerwarteten. Giacomo Santiago Rogado macht das gekonnt vor. 

Bis 
16.02.2020

→ ‹Giacomo Santiago Rogado – Desire Path, Werke 2014–2019›, Kunstmuseum Solothurn, bis 16.2.; feiner Katalog im Verlag für moderne Kunst, Wien ↗ www.kunstmuseum-so.ch www.vfmk.org

Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Giacomo Santiago Rogado 23.11.201916.02.2020 Ausstellung Solothurn
Schweiz
CH
Autor/innen
Simon Baur
Künstler/innen
Giacomo Santiago Rogado

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