Gitagovinda — Begehren und Erfüllung

Krishna tanzt mit den Hirtenmädchen. Folio aus der zweiten Guler Gitagovinda-Serie von ca. 1775, Geschenk Horst Metzger, Museum Rietberg

Krishna tanzt mit den Hirtenmädchen. Folio aus der zweiten Guler Gitagovinda-Serie von ca. 1775, Geschenk Horst Metzger, Museum Rietberg

Noch schmollt Radha, will nicht auf ihre Freundin hören und weist Krishna zurück. Folio aus der ­zweiten Guler Gitagovinda-Serie von ca. 1775, Legat Lucy Rudolph, Museum Rietberg

Noch schmollt Radha, will nicht auf ihre Freundin hören und weist Krishna zurück. Folio aus der ­zweiten Guler Gitagovinda-Serie von ca. 1775, Legat Lucy Rudolph, Museum Rietberg

Besprechung

Hier der Gott, dort der Mensch – in der bis heute lebendigen ‹Gitagovinda› wird daraus eine die Grenzen überwindende Geschichte von Liebe und Hingabe. Die Ausstellung im Museum Rietberg mit Bildern zum grossen Liebesepos veranschaulicht, wie innig sich Literatur und Darstellung in Indien verbinden.

Gitagovinda — Begehren und Erfüllung

Zürich — Anmut, Schönheit und viel Gefühl. Kummer und Sehnsucht, Hingabe – alles in leuchtenden Farben, lauter die einen, leiser die andern, immer harmonisch, manchmal auch kontrastreich. Am Ende steht fest: Leidenschaftlich war die Nacht, und nicht alle Schmuckstücke der jungen Frau haben dies unbeschadet überstanden, wie die zerrissene Perlenkette und die Goldbänder im Blätterbett, das sie mit dem Geliebten teilte, verraten. Happy End also für Radha und Krishna, für die Kuhhirtin und den Gott, deren Geschichte die von Caroline Widmer kuratierte Ausstellung nacherzählt. Der blauhäutige Krishna, der unter vielen Namen bekannt ist, eben auch als Govinda, «bester der Kuhhirten», und Radha, das schöne Hirtenmädchen – um sie und ihre ­Liebe geht es im ‹Gitagovinda›, in Krishnas Lied, einem Sanskrit-Text, mit dem sich der Dichter Jayadeva im 12. Jahrhundert in die Weltliteratur eingeschrieben hat. Den Rang von Weltkunst haben auch die beiden im 18. Jahrhundert in Guler ­(Pahari-Gebiet) entstandenen Bildzyklen, die unter den vielen Werken, zu denen die ­‹Gitagovinda› die Künstler anregte, die herausragendsten sind. Manaku von Guler, der ältere der Malerbrüder, ist Schöpfer der ersten Guler ‹Gitagovinda›-Serie von 1730, der jüngere Nainsukh scheint als Anreger und Projektleiter hinter der zweiten, ebenfalls 151 Blätter umfassenden Serie zu stehen, die von Manaku und seinen Nachkommen geschaffen wurde, ohne dass sich die Hand eines einzelnen Künstlers herauslesen liesse. Die Serie von ca. 1775, als Werk der «Meister der ersten Generation nach Manaku und Nainsukh von Guler» in die Kunstgeschichte eingegangen und dem westlichen Auge näherliegend, steht im Zentrum der wie gewohnt sehr attraktiven Präsentation im Museum Rietberg. Sie bietet das Konzentrat einer in ihrer Bedeutungsvielfalt nicht leicht zu fassenden Geschichte, die ebenso von menschlicher Liebe erzählt wie von religiöser, die zur mystischen Vereinigung führt. Die Miniaturmalereien, durchsetzt mit einer Fülle schönster Details, besitzen hohe erzählerische Qualität. Und so konzentriert die Schau mit 49 Exponaten ist: Vergleichende Betrachtung ist möglich. Treten bei Manaku die Figuren nicht fast so auf wie die Schauspieler eines bekannten Stücks? Bieten sie in der jüngeren Serie nicht so etwas wie Identifikationsfiguren und machen Einfühlung möglich? Der Film ‹Gitagovinda›, 2014/15, von Eberhard Fischer und Amit Dutta öffnet ohne Worte, mit zauberhafter Geräuschkulisse eine zusätzliche Dimension.

Bis 
16.02.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Gitagovinda 24.10.201916.02.2020 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Angelika Maass

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