Len Lye

Len Lye · Tulsalava, ca. 1929, 1/12 einer Foto­serie, ca. 20 x 25 cm, Filmstill

Len Lye · Tulsalava, ca. 1929, 1/12 einer Foto­serie, ca. 20 x 25 cm, Filmstill

Len Lye · A Colour Box, 1935, Tonfilm, 4’, 35 mm, Farbe (Dufaycolor), Filmstill

Len Lye · A Colour Box, 1935, Tonfilm, 4’, 35 mm, Farbe (Dufaycolor), Filmstill

Hinweis

Len Lye

Basel — Die Visualisierung von Bewegung ist sein künstlerisches Mittel. Sichtbar wird es vor allem in seinem Hauptmedium, dem Medium der Bewegung selbst: im Film. Aber auch in anderen künstlerischen Disziplinen entwickelte der neuseeländische Künstler Len Lye Kompositionen von Bewegung. Ausgehend von seinen Zeichnungen indigener Formensprache, die in ihrer Ornamentik an ­einen Versuch erinnern, Struktur beweglich zu machen (Totem-und-Tabu-Skizzenbuch, 1922–1926), erarbeitete Lye zwischen den Dreissiger- und Fünfzigerjahren avantgardistische Experimentalfilme. Konkrete, figurative Formen entwickeln sich darin zu immer stärker abstrakt werdenden Bewegungsmustern und Farbfeldern mit überwältigender Leuchtkraft, für die er zum Teil unmittelbar auf die rohen 35-mm-Filmstreifen malte. Die Bilder sind dabei stets mit virtuoser Musik unterlegt, an deren Rhythmus sich die im Film ablaufenden Muster anpassen. Auch auf seinen sogenannten Scratch-Filmen tanzen die händisch auf den Film gekratzten Linien analog zum Ton – sie vertonen damit ganz konkret die Bewegung der hinterlassenen Spuren, und man mag bei diesem Medium an die Funktion einer tontragenden Schallplatte denken. Den zu erwartenden Sprung erleben wir etwas weiter hinten, im letzten Raum der Ausstellung: bei Len Lyes kinetischen Skulpturen. Ein Drahtbüschel wirbelt wild durcheinander. Eine Kugel aus Kork balanciert leicht hüpfend auf einem flexiblen Metallstreifen, der, zu einem Kreis geformt, sich in Endlosschleife um sich selbst dreht. Die gleiche Kugel schlägt in einer anderen Installation in heftigen Vibrationen gegen eine aufrecht stehende Metallfläche, die dadurch in eine laut hörbare Schwingung versetzt wird. Die musikalische Begleitung verleiht den durch ihre Motorisierung bewegten Skulpturen eine dominante Dramatik. Die feinen, bildhauerisch in den Raum übersetzten Linien aus Len Lyes Doodle-Zeichnungen, in denen die frei aufs Papier gebrachten Striche eine abstrakte Bewegung festhalten, lassen noch ein wenig die vorherige Ausstellung der Position Rebecca Horns (→ KB 9/2019, S. 80/81) in diesen Räumen nachklingen. Die rudimentäre Art der akustischen Kinematik erinnert andererseits an den Gastgeber des Hauses selbst: Jean Tinguely. Alles in allem verfolgte Len Lye jedoch einen ganz eigenen Stil, der sich intensiv dem Phänomen der Bewegung widmet und sich in einer Art künstlerischen Studie mit dessen Ausdrucksformen auseinandersetzt. 

Bis 
26.01.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Len Lye - motion composer 23.10.201926.01.2020 Ausstellung Basel
Schweiz
CH
Künstler/innen
Len Lye
Autor/innen
Valeska Marina Stach

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