Lily van der Stokker

Lily van der Stokker · Evening TV, 2019, Acryl auf Wand, 420 x 361 cm, Courtesy kaufmann ­repetto, Milan/New York. Foto: Lorenzo Pusterla

Lily van der Stokker · Evening TV, 2019, Acryl auf Wand, 420 x 361 cm, Courtesy kaufmann ­repetto, Milan/New York. Foto: Lorenzo Pusterla

Lily van der Stokker · Birthday, 1998/2019, Acryl auf Wand und Holz, 171 x 151 x 46 cm, Courtesy Air de Paris, Paris. Foto: Lorenzo Pusterla

Lily van der Stokker · Birthday, 1998/2019, Acryl auf Wand und Holz, 171 x 151 x 46 cm, Courtesy Air de Paris, Paris. Foto: Lorenzo Pusterla

Hinweis

Lily van der Stokker

Zürich — Man hat viel Raum in dieser Ausstellung, viel Platz, um sich zu bewegen und auch stehenzubleiben. So viel Leere mag auf den ersten Blick beängstigend sein. Von Ferne leuchten aus grossen weissen Wänden vorwiegend pastellfarbige Flächen entgegen. Mit ‹Yeah› setzt Lily van der Stokker (*1954, Den Bosch) den optimistischen Start in den Tag, der aber schon bald eine andere Tonalität annimmt: ‹All day problems, in the evening TV› zeigt eine erdrückende Problemwolke in giftigen Farben und mit spitzigen Kämmen, unten klein zerquetscht dann die Ansage zum TV (wo Serien laufen, in denen jene Probleme erzählt werden, die einen dem ganzen Tag beschäftigen). Wie tröstlich, dass es gleich daneben ‹Warm apple crumble & whipped cream› gibt. ‹I am an Artwork› ist hingegen ganz in Rosa gehalten, ein Märchenbild für Mädchen, aus dem jederzeit ein Einhorn oder ein Fee treten kann, während von der Wand gegenüber ‹Child Care› droht; gross und weiss und bis auf eine verschupfte wurzellose Blume unten links leer. Wer möchte sein Kind hier abgeben?
Auf dem Weg in den nächsten Stock kommt man auf der Treppe sinnigerweise am titelgebenden Werk der Schau ‹Help help a little old lady here› vorbei, aber wer beachtet heutzutage schon kleine alte Frauen? Oben sind die Farben dann wesentlich weniger kräftig, die Werke dafür grösser. Auf gut vier mal acht Metern wird in ‹Sandwiches and Chocolate Sprinkles› der Schritt von der Kunstwelt zur Arbeit in einem Altersheim proklamiert, wo die belegten Brote mit Schokoladensplittern serviert werden. Die wandfüllenden Malereien werden durch Skizzen und Zeichnungen ergänzt. ‹BaBaBabyboom› ist eine solche, mit Farbstift und Kugelschreiber zu Papier gebracht, wo sich die Figur scheinbar hinter das Sofa geflüchtet hat und nun Klage führt, dass die meisten ihrer weiblichen Freunde ein Kind haben und daher über nichts anders mehr sprechen. Lily van der Stokker war zusammen mit einem grossen Team selbst am Aufbau der Ausstellung beteiligt. Die Werke sind sehr exakt ausgeführt, mit präzise gefertigten Linien und Flächen. Diese Akribie kontrastiert mit dem ersten Eindruck von kindlichen Farben und Formen, die einen durchaus in die Irre führen können. Eine Diaschau zeigt ‹36 years of wallpaintings›, und an der Kasse liegt mit ‹friendly Good› ein grosser Katalog auf, der das Schaffen der heute in Amsterdam und New York lebenden Künstlerin umfassend würdigt. 

Bis 
23.02.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Lily van der Stokker 30.11.201923.02.2020 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Thomas Schlup
Künstler/innen
Lily van der Stokker

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