Manon

Manon · Porträt, 2019. Foto: Sacha Nacinovic

Manon · Porträt, 2019. Foto: Sacha Nacinovic

Manon · Lachgas, 2019, Installation, Ausstellungsansicht, Kunsthaus Zofingen © ProLitteris. Foto: Sacha Nacinovic

Manon · Lachgas, 2019, Installation, Ausstellungsansicht, Kunsthaus Zofingen © ProLitteris. Foto: Sacha Nacinovic

Hinweis

Manon

Zofingen — Vor 45 Jahren machte Manon mit der erotisch aufgeladenen Installation ‹Das lachsfarbene Boudoir› Furore. Jetzt präsentiert das Kunsthaus Zofingen zum 80. Geburtstag der Künstlerin eine sehr dichte Ausstellung rund um die Themen Schönheit und Verfall, Jugend und Alter. Die Schau folgt einer schlichten, aber überzeugenden Inszenierung: Vor dem Eingang steht ‹Manons Rettungsdienst›, 2003, ein echter Rettungswagen, dessen Inneres in eine rosarote Flauschlandschaft verwandelt worden ist, in der Chanel-Parfum aus den Infusionsflaschen tröpfelt. Im Parterre sind einige grossformatige Fotoarbeiten der Serie ‹Hotel Dolores›, 2008–11, zu sehen, die das Thema der Ausstellung durchspielen. Im Obergeschoss, in dem Prunksaal mit glitzernden Kronleuchtern und üppigen Stuckaturen, der von vielen Kunstschaffenden gemieden wird, hat Manon ein Spitalbett aufgestellt. Es steht auf einer kleinen Bühne, um deren Sockel ein Band aus Lichtern läuft, die in rhythmischen Intervallen aufleuchten wie der Herzschlag des Glamours. An der Tür zu einem kleinen Nebenraum hängt ein rosa Ballkleid, das bereits mehrfach in Manons Installationen zum Einsatz gekommen ist. Hinter der Tür ist eine kleine Künstlergarderobe eingerichtet mit OP-Kittel-grünen Wänden, pinkfarbenen Hockern und vielen kleinen Pillen, die auf dem Bord unter dem grossen Schminkspiegel verstreut sind. Mit einer Handvoll souverän eingesetzter Requisiten erzählt diese Installation, ja erzählt letztlich die ganze Ausstellung davon, welche Mühen es kostet, Glamour zu erzeugen, also Verzauberung. Der aus dem Schottischen stammende Begriff Glamour bezeichnete ursprünglich einen Zauberspruch. Und bis heute besteht die Idee, dass sich mit Glamour, mit einer bestimmten Form von Schönheit, Eleganz, Ästhetik die schnöde Wirklichkeit mit ihren banalen Ansprüchen, aber auch mit dem Elend von Krankheit, Alter und Tod bannen liesse. Und sei es nur für einen Augenblick. Die Kunst Manons besteht darin, diesen Augenblick einzufangen, den Glamour wie ein Präparat in Formaldehyd zu fixieren und damit zum genauen Studium, aber auch zur Diskussion freizugeben. Der Glanz, den ihre Installation erzeugt, diese berückende Mischung aus dem Leuchtband am Bühnensockel, dem Funkeln der Kronleuchter, dem Schimmer des Schachbrettbodens, auf dem die Besucherinnen und Besucher zu Spielfiguren werden, bildet einen imaginären Teppich, auf dem man durch die Ausstellung schwebt. Immer ahnend, dass es unter dieser Zauber-Glamour-Oberfläche andere, weniger rosige, weniger leuchtende Wirklichkeiten gibt. Denn der Glamour, den Kleider, Schminke, Haltung erzeugen können, kann die Biologie nicht überlisten. 

Bis 
23.02.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Manon 23.11.201923.02.2020 Ausstellung Zofingen
Schweiz
CH
Autor/innen
Alice Henkes
Künstler/innen
Manon

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