Ovartaci

Ovartaci · Dr. Barfods, 2019, Gouache© ProLitteris, Museum Ovartaci, Arhus

Ovartaci · Dr. Barfods, 2019, Gouache
© ProLitteris, Museum Ovartaci, Arhus

Ovartaci · Flammen-Menschen, 2019, Gouache auf Leinwand © ProLitteris, Museum Ovartaci

Ovartaci · Flammen-Menschen, 2019, Gouache auf Leinwand © ProLitteris, Museum Ovartaci

Hinweis

Ovartaci

St. Gallen — Ovartaci war wohl eine Transfrau «avant la lettre» und bevor der Genderstern für eine nicht mehr nur binäre Geschlechtsdefinition eingeführt wurde. Geboren als Louis Marcussen (1894–1985) in eine wohlhabende Färberfamilie in der kleinen Marktstadt Ebeltoft in Dänemark, absolvierte er eine Maler- und Dekorateurausbildung. Dabei erwies er sich als äusserst begabt, doch als er ein defektes Gewehr auf seinen blinden Bruder Knud richtete, sah sich seine Familie gezwungen, ihn in die psychiatrische Klinik Risskov in Århus einweisen zu lassen. Hier blieb er 56 Jahre lang bis zu seinem Tod. In dieser Umgebung konnte er sich dank dem Psychiater Erik Strömgren der Kunst und seinen esoterischen Interessen widmen, und er genoss als eine Art Oberpatien­tin – im jütländischen Dialekt «Overtossi» oder «Overfool» – und als «Primadonna» viele persönliche Freiheiten eine bevorzugte Behandlung. In diesem geschützten Rahmen lebt Ovartaci in Transidentitäten und gestaltet sich den Lebensraum zu einem einzigartigen Universum. Es entstanden unzählige Werke, die von einer wunderlichen Welt, grenzenlosem Ideenreichtum, unzähligen Einflüssen, Stilen und einer unbändigen Fabulierlust sprechen. Malereien, Puppen, Rauchphantome, Wörterbücher und Flugobjekte, erschaffen aus allem, was zu finden war: Stoff, Papiermaché, Karton, Sardinenbüchsen, Zahnpastatuben. Zeit­lebens beschäftigten Ovartaci das Thema der Verwandlung in katzenhafte, vogel-, schmetterlings- und froschähnliche Mischwesen, inspiriert von nahen und fernöstlichen, oft mystischen Einflüssen. Davon zeugen auch die puppenhaften Frauenfiguren in allen erdenklichen Grössen. Ovartaci gestaltete sie nach einem damals gängigen, etwas einseitigen Frauenbild. Sie verweisen auf die Sehnsucht, das andere Geschlecht zu verkörpern, dem er/sie mit einer brachialen Selbstkastration weitgehend nahekam. Ovartaci hatte es vermutlich besser als andere Transfrauen zu ihrer* Zeit. Im Katalog wird darauf hingewiesen, dass der Psychiatrieaufenthalt für Ovartacis Entfaltung ein Segen war, da sie* dort endlich die Rahmenbedingungen für ihr* persönliches Künstlerinnenleben vorfand. Das Museum im Lagerhaus zeigt das aussergewöhnliche Gesamtkunstwerk erstmals in der Schweiz. Die Ausstellung ist Teil der internationalen Trilogie ‹Das Andere in der Kunst› zu den Themen Gender, sexuelle Identität und Transgeschlechtlichkeit. 

Bis 
01.03.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Crazy, Queer, and Lovable - Ovartaci 01.10.201901.03.2020 Ausstellung St. Gallen
Schweiz
CH
Autor/innen
Dominique von Burg
Künstler/innen
Ovartaci

Werbung