Teresa Margolles, Adrian Paci

Teresa Margolles · Berenice, Pista de Baile del Bar Tlaquepaque, 2016, Videostill

Teresa Margolles · Berenice, Pista de Baile del Bar Tlaquepaque, 2016, Videostill

Adrian Paci · At sea, 2017, Öl auf Leinwand

Adrian Paci · At sea, 2017, Öl auf Leinwand

Hinweis

Teresa Margolles, Adrian Paci

Krems — «En la herida» bedeutet auf Spanisch «in der Wunde». Dieser metaphysische Zustand wurde von der mexikanischen Künstlerin Teresa Margolles (*1963) in einer eindrücklichen Performance in der Kunsthalle Krems vergegenwärtigt, die von einer österreichischen Transgender-Performerin ausgeführt wurde. Ein leerer Raum, ein Messer und ein Döschen, welches das Fett einer ermordeten mexikanischen Transgender-Prostituierten enthielt, waren die sparsamen Utensilien, mit denen am Eröffnungsabend zunächst eine Linie in die Wand geritzt wurde, um diese anschliessend mit dem Fett der Leiche einzustreichen. Es ist ein Akt, der nur symbolisch die Wunden heilen kann, die den ermordeten Transgender-Personen zugefügt wurden. Die Drastik einer solchen Geste ist typisch für Margolles’ Werk, in dem der gewaltsame Tod die zentrale Rolle spielt. Die repressive Unterdrückung in der mexikanischen Gesellschaft durch Drogenkriege, soziale Ungerechtigkeiten oder Genderhass bildet den Hintergrund für ihre dokumentarisch inszenierten Videos und Fotografien, in denen trotz aller Gewalt immer auch Stolz und Widerständigkeit spürbar sind, wie in der Serie ‹Pistas de Baile›, wo Prostituierte auf den Überresten abgerissener Diskotheken und Nachtklubs, ihrer früheren Arbeitsstätten, posierten. Neben einer Auswahl älterer Arbeiten von Margolles zeigt die Kunsthalle Krems eine weitere Ausstellung mit Werken des albanischen Künstlers Adrian Paci (*1969). Ältere und neuere Videoarbeiten, aber auch eine Reihe von wenig bekannten Ölbildern, die Szenen von schiffbrüchigen Migrant*innen zeigen, sind hier in einer kleinen Retrospektive versammelt. – Gerne hätte man von beiden Kunstschaffenden noch mehr neue Werke gesehen. Pacis Arbeiten drehen sich um die prekären Lebensbedingungen, in denen sich Menschen in postsozia­listischen Ländern Südosteuropas befinden, um Verlust von Gemeinschaften und um das Verlorensein in einer fremden Welt, dem oft nur durch Migration begegnet werden kann. In der neuen Filminstallation ‹Prova› von 2019 schliesst Paci an eine ältere Arbeit von 2004 an, in der die auswegslose Situation einer Gruppe von Arbeitslosen dokumentiert wird. Paci lässt die Protagonisten in einer nächtlichen Szenerie einer Bauruine wie in einem antiken Drama auftreten. Dabei öffnet sich ein gespenstischer Raum der Ausweglosigkeit, des Wartens und des erzwungenen Nichtstuns. 

Bis 
23.02.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Teresa Margolles 24.11.201923.02.2020 Ausstellung Krems
Österreich
AT
Adrian Paci. Lost Communities 24.11.201923.02.2020 Ausstellung Krems
Österreich
AT
Autor/innen
Patricia Grzonka
Künstler/innen
Teresa Margolles
Adrian Paci

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