Thomas Mann

Thomas Mann in Amerika, Ausstellungsansicht Strauhof, 2019. Foto: Zeljko Gataric

Thomas Mann in Amerika, Ausstellungsansicht Strauhof, 2019. Foto: Zeljko Gataric

Katia, Erika und Thomas Mann an Bord der ‹Ile de France› (New York, April 1937), Thomas-Mann-Archiv der ETH Zürich

Katia, Erika und Thomas Mann an Bord der ‹Ile de France› (New York, April 1937), Thomas-Mann-Archiv der ETH Zürich

Hinweis

Thomas Mann

Zürich — «Es kenne mich die Welt», schreibt Thomas Mann 1950 in seinem Tagebuch. Der ungewöhnliche Botschafter aus Deutschland kämpfte im Exil für Frieden und Demokratie. Im Museum Strauhof, das eine Schnittstelle zwischen Literatur und deren räumlicher Inszenierung bildet, kann nun in eine ganz besondere Schaffensphase des Schriftstellers eingetaucht werden. Über zwei Geschosse erstreckt sich die Ausstellung ‹Thomas Mann in Amerika›. Das Leben des Autors kurz vor, während und kurz nach seiner Zeit im amerikanischen Exil, wird multimedial vermittelt und schafft durch die Darstellung auf verschiedenen Sinnes­ebenen einen vielschichtigen Einblick in Thomas Manns Arbeit. Der Schriftsteller emigrierte bereits 1933 aus Deutschland in die Schweiz und 1938 dann weiter in die USA. Was er dem Krieg entgegenzusetzen hatte, waren Worte. Worte, welche die Wahrheit sprechen sollten, Worte, die von seinem kritischen und wach­samen Blick auf die Welt erzählen. Feingliedrige, sorgsam handgeschriebene Schriftstücke zeigen das Ringen und Suchen Thomas Manns um seine eigene künstlerische Identität – in Bezug auf seine politische Aufgabe als Autor in einer so katastrophalen Weltlage. Tagebücher liegen aus. Briefe sind in Form von «handfesten» Kartonkarten zu lesen. Plakate spannen sich im Raum, Fotos sind dokumentarisch angeordnet. Jahreszahlen und Zitate in grossen Buchstaben sind wie gedruckt auf die Wände geklebt. Von der Decke hängen Kopfhörer, die mit römischen Ziffern gekennzeichnet sind. Setzt man sich einen auf, hört man die Stimme Thomas Manns, entweder auf Deutsch oder auf Englisch. Die tief bewegenden Reden schrieb er für seine Vortragsreisen durch die USA und für Radiobeiträge, die aus dem Exil im Geheimen nach Deutschland gesendet wurden, um die Menschen gegen den Nationalsozialismus zu mobilisieren: «Euch warnen, Deutsche, heisst euch in euren eigenen schlimmen Ahnungen bestärken.» Thomas Mann verstand sich im Exil also nicht nur als Repräsentant der deutschen Literatur, sondern auch in Verantwortung zu seiner Herkunfts­nation, deren Handeln er stark verurteilte. Schliesslich, nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, verdächtigte ihn die USA, deren atomare Aufrüstung er kritisierte, als staatsfeindlichen Kommunisten, und er kehrte 1952 enttäuscht nach Europa zurück. Kurz darauf hielt er dort im Zürcher Schauspielhaus einen Vortrag über «den Künstler und die Gesellschaft», in dem er sowohl seine Zeit im Exil als auch sein Schriftstellerdasein reflektierte. Er habe nun verstanden, dass es eine Illusion sei, dass Kunst die Welt wirklich verändern könne. Sie sei «keine Macht», sie sei «nur ein Trost», der das Böse nicht aufhalten könne, es jedoch nie aus den Augen lassen dürfe. Kunst also als tröstendes Pflaster in einer zerrissenen Welt. 

Bis 
19.01.2020
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Thomas Mann in Amerika 24.10.201919.01.2020 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH

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