Tony Cokes

Tony Cokes · Before and After the Studio: ­Volume II, Ausstellungssansichten schwarzescafé, Luma Westbau, Zürich, 2019, Courtesy Luma Westbau. Foto: Stefan Altenburger

Tony Cokes · Before and After the Studio: ­Volume II, Ausstellungssansichten schwarzescafé, Luma Westbau, Zürich, 2019, Courtesy Luma Westbau. Foto: Stefan Altenburger

Tony Cokes · Before and After the Studio: ­Volume II, Ausstellungssansichten schwarzescafé, Luma Westbau, Zürich, 2019, Courtesy Luma Westbau. Foto: Stefan Altenburger

Tony Cokes · Before and After the Studio: ­Volume II, Ausstellungssansichten schwarzescafé, Luma Westbau, Zürich, 2019, Courtesy Luma Westbau. Foto: Stefan Altenburger

Hinweis

Tony Cokes

Zürich — Wie lesen wir einen Text? Mal aufmerksam, mal weniger aufmerksam, und doch haben wir immer einen Anspruch an ihn: Sag mir, worum es geht! Schnell! Doch muss denn alles gleich verständlich, gleich lesbar sein? Muss die Kunstkritik ein Werk gleich nackt ausziehen, auf einen Aspekt reduzieren, einfach, damit wir sagen können: Wir haben’s verstanden. Next. Was sagt das über uns aus? Dass wir bequem sind? Uns andere Perspektiven nicht interessieren, ausser die eine, die uns auf dem Silbertablett serviert wird? Mit diesen Fragen konfrontiert uns Tony Cokes: Er wählt Textpassagen aus, platziert sie auf grellem Hintergrund, die in einem Video vor unseren Augen durchswipen. In ‹shrinking criticism›, einer von sechs ­Arbeiten, die im Luma Westbau zu sehen sind, thematisiert Cokes (*1956, Richmond) die Rolle der Kunstkritik: Seit den Achtzigerjahren wurde sie zur Statistin degradiert, denn der Markt hat unlängst die Hauptrolle übernommen. «The market undermined critical judgement», so die Aussage des britischen Kunsthistorikers und Kurators Julian Stallabrass, von dem der Text stammt. «It matters rather little what is actually said, so long as it is affirmative.» Es ist also egal, was die Kunstkritik sagt – solange sie bejaht, solange sie nicht hinterfragt. Denn tut sie Letzteres, kritisiert sie automatisch den Kunstmarkt, von dem sie abhängig ist. Wer also hat das inhaltliche Monopol? Wer macht was lesbar? Und zu welchem Zweck? Diese Überlegungen werden in ‹shrinking criticism› inhaltlich und visuell aufgegriffen: Denn die Art und Weise, wie das Video aufbereitet ist, macht es schwierig, den Aussagen von Stallabrass zu folgen. Die Stühle stehen zu dicht vor dem Bildschirm, manchmal swipen die Slides zu schnell nach links: Einige Passagen können wir nicht zu Ende lesen, andere verpassen wir. Auch die Musik, mit der das Video unterlegt ist, verwirrt, lenkt ab. Mit diesen Interferenzen, den Überlagerungen von Interessen, den Unterbrechungen, spielt Tony Cokes in seiner Arbeit. «If there weren’t interferences or complications, we would live in a radically different world», sagte der amerikanische Künstler in einem Interview mit Artforum. «But there are.» Wer interferiert also? Sind wir tatsächlich bereit, diese Frage zu stellen? 

Bis 
26.01.2020
Ausstellungen/Newsticker Datumaufsteigend sortieren Typ Ort Land
Tony Cokes 16.11.201926.01.2020 Ausstellung Zürich
Schweiz
CH
Autor/innen
Giulia Bernardi
Künstler/innen
Tony Cokes

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