Paul Klee — Zerwirken musste er

Paul Klee · Côte de Provence 1, 1927, Aquarell auf Papier, Karton, 15,1 x 23,5 cm, Zentrum Paul Klee

Paul Klee · Côte de Provence 1, 1927, Aquarell auf Papier, Karton, 15,1 x 23,5 cm, Zentrum Paul Klee

Paul Klee in der Latomia del Paradiso, Syrakus, 1931 (Ausschnitt), Zentrum Paul Klee, Schenkung Familie Klee. Foto: Lily Klee

Paul Klee in der Latomia del Paradiso, Syrakus, 1931 (Ausschnitt), Zentrum Paul Klee, Schenkung Familie Klee. Foto: Lily Klee

Besprechung

Die neue Ausstellung ‹Mapping Klee› im Zentrum Paul Klee in Bern nimmt uns mit auf Reisen – an die Orte, an denen der Maler seine Inspirationen fand und wo seine Bilder zu grossen Teilen ideell entstanden sind: sowohl in ihrem inhaltlichen als auch ­ihrem formalen Aufbau.

Paul Klee — Zerwirken musste er

Bern — Klees Reiseerfahrungen können wir anhand seiner Werke erleben, die, im Zentrum Paul Klee in 17 Räumen untergebracht, einen ganz eigenen Fokus auf sein künstlerisches Streben richten. Wegen der pandemiebedingten Museumsschlies­sungen im Kanton Bern hat die Institution nun ein Digitorial zu ‹Mapping Klee› erstellt, das Einblick in die komplexe Lebens- und Schaffensgeschichte des Schweizer Künstlers ermöglicht. Die intellektuelle und philosophische Haltung Klees, die in Bildern und schriftlichen Zeugnissen zum Ausdruck kommt, erweist sich dabei nicht nur als zukunftsweisend, sondern auch als weiterhin hoch aktuell: Wie erkenne ich das Wesen hinter dem, was ich sichtbar machen möchte, und wie mache ich es sichtbar?
Paul Klee war Forscher. Er befasste sich intensiv mit der Frage nach einer Art Urgesetz, das der Natur innewohnen müsse. Seine eigene Sprache fand er in architektonischen Strukturen des nordafrikanischen Orients – in der Weiterentwicklung kubistischer Abstraktion in Formen, die das Figürliche nicht ausschliessen, sondern fragmentieren und in Bewegung setzen. Klee kritisierte die Dekonstruktion des klassischen Bildmotivs durch Begründer des Kubismus wie Braques oder Picasso: Braucht es denn gar kein Motiv mehr im Bild? Er verschrieb sich mit seiner Arbeitsweise, wie der mit ihm befreundete Kandinsky, einer Suche nach dem geistigen ­Potenzial in der Kunst. Dabei formte Klee – inspiriert von der Malerei Robert Delaunays – aus abstrakten Rhythmen und lichtvollen Farbfeldern eigene, selbständige Motive und Zeichen, als Echo auch auf seine Reisen: nach Italien (1901), Paris (1912), Tunesien (1914), Südfrankreich (1927) und schliesslich Ägypten (1928). «Kunst gibt nicht das Sichtbare wieder, sondern macht sichtbar», schrieb der Künstler 1920 als Teil seiner schöpferischen Konfession. Die unumstösslich zeitgenössisch relevante Position des Malers wird durch das neue Angebot des ZPK ehrenhaft betont. Dazu gibt es treffend formulierte Anmerkungen im Digitorial, wie: «Ein Punkt setzt sich ohne konkretes Ziel in Bewegung und bildet damit eine Linie – diesem Phänomen gilt Klees Interesse. Die Bewegung und der Prozess sind Klee wichtiger als das Resultat, das bis zum Schluss offen bleibt. Ebendiese Offenheit macht seine Kunst so aktuell, interessant und einzigartig. Klee zeigt Wege auf, ohne das Ziel vorzugeben.» Ja, so soll es weitergehen – so, wie Paul Klee über die vielen Eindrücke seiner Tunesien-Reise einst sagte: «Ich muss zerwirken» (Tagebuch, April 1914). 

Bis 
25.04.2021

→ ‹Mapping Klee›, Zentrum Paul Klee, verlängert bis 25.4. ↗ www.zpk.org www.mappingklee.zpk.org

Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Mapping Klee 25.11.202025.04.2021 Ausstellung Bern
Schweiz
CH
Künstler/innen
Paul Klee
Autor/innen
Valeska Marina Stach

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