25 Jahre Prix Mobilière — Kunst zu Fragen der Zeit

Isabelle Krieg · Tapfere Blumen – Sonnenblume, 2007–2011, C-Print, 36 x 24 cm © ProLitteris

Isabelle Krieg · Tapfere Blumen – Sonnenblume, 2007–2011, C-Print, 36 x 24 cm © ProLitteris

Besprechung

Vor 25 Jahren hat die Mobiliar-Versicherung erstmals einen Kunstpreis ausgeschrieben. Viele namhafte Kunstschaffende haben den Prix Mobilière seither erhalten. In einer Jubiläumsausstellung blickt die Versicherungsgesellschaft zurück. Und stellt zugleich die neue Preisträgerin vor.

25 Jahre Prix Mobilière — Kunst zu Fragen der Zeit

Bern — Die schlanken Beine, apart übereinandergeschlagen und hochglänzend magentafarben, könnten aus einem eleganten Strumpfmodegeschäft stammen. Auch der schwarzglänzende Regenmantel, locker übers Knie geworfen, passt ins modische Bild. Nur der Titel erzeugt eine Art Störgeräusch in diesem lässig-luxuriösen Arrangement der Genfer Künstlerin Sylvie Fleury (*1961): ‹Marée Noire›, 2021. Zwei Wörter nur, und was eben noch aussah wie eine Schaufensterdekoration, wird zur Anspielung auf den Erdölverbrauch der Industrienationen generell, seine katastrophalen Begleiterscheinungen und die Nonchalance, mit der die westlichen Gesellschaften sich aus der Verantwortung zu ziehen versuchen. Auch in den Arbeiten von Mathis Altmann (*1987) zeigt sich eine sensible, gefährdete Welt. Der in Zürich und Los Angeles lebende Künstler inszeniert auf grossen, rohen Betonbrocken Miniaturwelten. Die Mini-Szenen entfalten einen leicht verträumten Spielzeugeisenbahn-Charme, selbst dann, wenn es sich wie in ‹Basic Plumbing›, 2015, um die Nachbildung von Industrieanlagen handelt. Auf den wuchtigen Betonsockeln wirken die Szenen schwebend leicht und verbildlichen damit, wie schwer es den meisten Menschen bis heute fällt, sich die Tragweite unserer Eingriffe in die Natur bewusst zu machen. Eine spielerische Note lassen die Fotografien ‹Tapfere Blumen›, 2007–2011, von Isabelle Krieg anklingen, in denen sie Deckenlampen gewissermassen auf den Kopf stellt und zu Blüten erklärt. Eine philosophisch-dadaistische Anregung, die Welt einmal aus ganz anderer Perspektive zu betrachten.
Drei Kunstschaffende, drei Zugänge zur Frage, wie unsere Gesellschaft mit der Umwelt umgeht. Die Ausstellung in der Eingangshalle der Mobiliar-Versicherung in Bern versammelt Arbeiten zahlreicher weiterer Künstlerinnen und Künstler, die im letzten Vierteljahrhundert mit dem Prix Mobilière ausgezeichnet wurden. Der Kunstpreis wird für künstlerische Arbeiten vergeben, die sich mit sozialen und ökologischen Fragestellungen befassen. Zu den Ausgestellten gehören prominente Kunstschaffende verschiedener Generationen, etwa Claudia Comte, Raphael Hefti, Yves Netzhammer oder Roman Signer. Engagierte Kunst, das möchte die Schau verdeutlichen, geht alle etwas an. Im Rahmen der Eröffnung wurde auch die diesjährige Gewinnerin des Prix Mobilière bekanntgegeben: Es ist die in Zürich lebende Miriam Laura Leonardi (*1985). In ihren Videos und Objekten beschäftigt sie sich mit feministischen Anliegen und der Beziehung zwischen Individuum und Gesellschaft.

Bis 
31.03.2022

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