Hungry for Time

Raqs Media Collective · Hungry for Time – Eine Einladung zum epistemischen Ungehorsam, 2021, Ausstellungsansicht Kunstsammlung Akademie der bildenden Künste Wien. Foto: Iris Ranzinger

Raqs Media Collective · Hungry for Time – Eine Einladung zum epistemischen Ungehorsam, 2021, Ausstellungsansicht Kunstsammlung Akademie der bildenden Künste Wien. Foto: Iris Ranzinger

Raqs Media Collective · Hungry for Time – Eine Einladung zum epistemischen Ungehorsam, 2021, Ausstellungsansicht Kunstsammlung Akademie der bildenden Künste Wien. Foto: Iris Ranzinger

Raqs Media Collective · Hungry for Time – Eine Einladung zum epistemischen Ungehorsam, 2021, Ausstellungsansicht Kunstsammlung Akademie der bildenden Künste Wien. Foto: Iris Ranzinger

Hinweis

Hungry for Time

Wien — Kunstakademien und Kunstuniversitäten gibt es inzwischen viele und überall, aber nur wenige verfügen auch über eine hauseigene Sammlung mit so hochkarätigen Kunstwerken wie die Akademie der bildenden Künste in Wien. Die historische Gemäldegalerie – zu ihr gehören auch ein Kupferstichkabinett und eine Glyptothek – befindet sich im selben Gebäude wie die Akademie und bietet damit den Studierenden die einzigartige Möglichkeit, grossartige Kunstwerke im Original direkt im eigenen Haus zu studieren. Zu den berühmtesten Bildern gehört dabei ein Weltgerichts-Triptychon von Hieronymus Bosch, ein über 600 Jahre altes Gemälde, das uns ein drastisches, nahendes Weltende verkündigt.
Nach einer vierjährigen Generalsanierung wurde das denkmalgeschützte Haupthaus der Akademie am Schillerplatz in Wien vor kurzem von Studierenden und Lehrkräften wieder bezogen, und auch die Gemäldegalerie ist rundum erneuert wieder eröffnet worden. Um den gleichermassen verführerischen wie auch verfänglichen historischen Kontext aufzubrechen, wurde das indische Kurator*innenkollektiv Raqs Media Collective (Jeebesh Bagchi, Monica Narula und Shuddhabrata Gupta) aus Neu Delhi eingeladen, eine erste Ausstellung zu konzipieren. Unter dem Titel ‹Hungry for Time› versammeln sich nun Werke aus allen drei Abteilungen mit neuen Arbeiten von zeitgenössischen Kunstschaffenden. Haben in letzter Zeit viele Museen solche Versuche unternommen, ihre historischen Bestände durch eine zeitgenössische Brille neu zu kontextualisieren, so geht diese Wiener Variante einen Schritt weiter. Entstanden ist ein spannender multimedialer Parcours mit thematischen Dialogen, der die historischen Werke wertschätzend – nicht delegitimierend – durch eine kritische, dekolo­niale Lesart aktualisiert. Schrecken des Krieges, Anmassungen von Politik, Macht und Obsessionen, Krankheit, Tod, Verfall und die Wunder des Lebens werden in erzählerischen Szenen gefasst. Die lange Künstler- und Werkliste verzeichnet dabei auch eine Kuriosität wie die erstaunliche, angeblich echte Locke Albrecht Dürers. Die Arbeiten und die grossartige Inszenierung machen’s aus, dennoch ist hier vor allem auch der kuratorische Zugang, der in der Sichtbarmachung der Entscheidungen und des entworfenen Narrativs liegt, beeindruckend. 

Bis 
30.01.2022
Ausstellungen/Newsticker Datum Typ Ort Land
Hungry for Time 09.10.202130.01.2022 Ausstellung Wien
Österreich
AT
Autor/innen
Patricia Grzonka

Werbung